Vor mehr als einem Jahrzehnt öffnete der „Weekender“ in Innsbruck seine Pforten. Fortan wurde vornehmlich dem sogenannten „Britpop“ eine Bühne gegeben. In regelmäßigen Abständen wurden Bands aus London nach Innsbruck geschleift. Der Erfolg wuchs. Der unbedarfte Innsbrucker Hinterwäldler bekam endlich Musik aus der großen Stadt präsentiert und bekam Hypes und Trends hautnah mit.
Am Anfang war die Leidenschaft der Macher des Clubs. Sie hatten sich Hals über Kopf in das Gitarren-Geschrammel von der Insel verliebt. Ein wenig Egoismus war wohl auch im Spiel. Wenn man schon in der selbsternannten Weltstadt Innsbruck festsaß und Trends und Bands in ebendieser erst Jahre später wenn überhaupt bekannt wurden, wollte man wenigstens die eigenen Lieblingsbands in der Kleinstadt-Einöde sehen.
Über die Jahre wurde das Musik-Spektrum breiter. Dass Andy neben Britpop- und Alternative-Mainstream-Musik-Fan ein waschechter Metal-Head ist, wissen wohl nur Menschen, die ihn persönlich kennen. Was lag also näher als auch Metal-Bands in die heiligen Hallen des Weekenders zu lassen? Damit war der Damm gebrochen. Über die Jahre spielten auch Hip-Hop-Acts auf. Der „Weekender“ mauserte sich zu einer Live-Location ohne eindeutigen roten Faden. Die Liebe zur Musik musste sich ab da selbst genügen. Die Macher waren überzeugt, dass sich die Liebe zur Musik automatisch auf das Publikum übertragen würde und dieses einen ebenso weiten Horizont hatte wie sie selbst.
Das Klima wurde zunehmend rauer. Die Student-Nights waren zwar meist voll, das eine oder andere Liebhaber-Konzert aber fast leer. Einige Versuche den Weekender neu zu positionieren scheiterten einigermaßen. Bei aller Liebe zur Musik der Macher war das Publikum eher auf leicht konsumierbare Musik fixiert. Man hatte sich ein Party-Publikum heran gezogen, das neben Musik auch den Exzess schätzte. Dieser Exzess lässt sich bekanntlich nicht zu jeder Musik gleich gut ausleben.
Wenn der Weekender-Club schließt, dann schließt auch ein riesiges Paradoxon. Der „Weekender“ war eine kuratiert unkuratierte Bühne. Alles war dort möglich. Der „typische“ Weekender-Sound, anfangs definiert von Alternative-Rock-Pop-Bands, verwässerte über die Jahre. So fiel es schwer, sich ein Publikum mit gewissen Haltungen und Präferenzen zu erziehen.
Die musikalische Offenheit der Macher wurde immer öfter zur Beliebigkeit in der Programmierung der Acts. So lange, bis der „Weekender“ zwar immer noch als Ort bekannt war, an dem man gute Konzerte erleben konnte, aber so lange auch bis niemand mehr wusste, welche Art von Konzerten in welcher Qualität dort zu hören und zu sehen waren. Von Großartigem bis Grauenvollem war alles drin in dem sich zunehmend als Wundertüte gerierenden Club.
Natürlich ist der Verlust für Innsbruck dennoch groß. Man wünscht den Machern nichts Schlechtes. Die beiden sind echte und authentische Musik-Enthusiasten und verstehen ihr Handwerk als Organisatoren.
Man hätte ihnen aber gewünscht, dass sie ihre unbändige Musik-Lust besser kanalisieren hätten können. Dass sie einen Ort mit einem ur-typischen Sound geschaffen hätten, den man nur an diesem ganz konkreten Ort bekommt. Dass es ein Ort geworden wäre, an dem sich die Handschrift der Macher stärker lesen und wahrnehmen hätte lassen. Der „Weekender“ wäre dann zu einem abenteuerlichen, ja unerhörten Ort für neugierige Hörer geworden. Das jedoch wurde er nicht. Das darf bedauert werden. Und jede Konzert-Location die Innsbruck verliert ist per se ein Verlust.

Titelbild: (c) Thomas Böhm

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