Text von Giovanna Rossi


Ein Ort in der Nähe von Innsbruck. Umzingelt von hohen Bergen. Ein Skigebiet direkt vom Dorf aus erreichbar, weitere Skigebiete in der Nähe, Gletscher inklusive. Dorfbewohner gibt es laut Wikipedia nicht ganz 5000. Es ist nicht viel. Dem gegenüber gestellt die 1 000 0000 Nächtigungen pro Jahr nicht wenig.
Über die Auswirkungen vom Massentourismus wurde und wird ständig berichtet. Die Dörfer stöhnen unter der Verkehrslawine, die heimischen Tourismusbetriebe bekommen kein Personal  mehr und werben um Köche/Kellner/Zimmermädchen & co im Ausland und so wird der Gast in Tirol von in Lederhosen/Dirndln gekleideten Ungaren/Tschechen/Slowaken bedient. So weit so gut. Irgendwie hat es sich eingespielt. Wurde/wird akzeptiert.
Was jedoch die Autorin nicht akzeptieren mag und warum sie diese Zeilen schreibt, ist der Umstand, dass vorwiegend unsere Lieblingsnachbarn aus dem nördlichen Auslande ein Benehmen an den Tag legen, als hätten sie mit der Pauschalreise ein ganzes Dorf gekauft.
Ein Beispielschauplatz ist ein Lebensmittelladen mitten im Ort. Es ist später Nachmittag. Mitarbeiter des Marktes haben aufgeräumt. Alles sauber geschlichtet. Diese Stille … Irgenwie wie im Kinderzimmer/Horrorfilm… Es ist ruhig. Die befürchtete „Ruhe vor dem Sturm“. Irgendetwas wird passieren. Und Ja! Es passiert! Betriebsschluss der Bergbahnen. Auf einmal ist der Laden mit engen Gängen voll mit Touristen in Skibekleidung. Eine Kakophonie diverser Sprachen flutet den Raum. Ein Geruch nach Schweiß und Hüttenessen hängt olfaktorisch desaströs in der Luft. Klar, man/frau steckt die ganze Woche in den gleichen Klamotten und tut damit quasi Tag und Nacht alles.
Die Kunden stürmen den aufgeräumten Laden. Schmeissen Ware auf den Boden, steigen drauf. Öffnen Originalpackungen und stellen sie beschädigt wieder ins Regal zurück. Als Gio höflich, trotzdem bestimmend sagt, dass das Öffnen der Originalverpackung zum Kauf verpflichtet, bekommt so als Antwort „Es war schon so“. Mitarbeiter des Marktes sehen einfach weg und akzeptieren dieses impertinente Verhalten, erzählen dann der Autorin, dass sie oft unbezahlt länger arbeiten müssen, um alles wieder in Ordnung zu bringen.
Die Saison ist bald vorbei. Die Dörfer bekommen bald eine wohlverdiente Verschnaufpause. Bis zum nächsten Saisonstart. Liebe Skifahrer! Nehmt euch fürs nächstemal was vor und vor allem mit. Mit ins Handgepäck – euer gutes Benehmen und vor allem Respekt und Rücksicht. Und eventuell noch frische Kleidung zum Wechseln. Danke. ENTER
 

Titelbild: (c) flickrknufflo, flickr.com

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