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Paradies im Dornröschenschlaf

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Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, in Innsbruck ist wenig los. Zumindest wenn man an jene Weltstädte und Metropolen denkt, mit denen sich die Alpenhauptstadt gerne messen und vergleichen will. Zürich, Mailand, Amsterdam, Berlin.

Was eine lebendige Stadt ausmacht, sind ihre Menschen, ist der Rhythmus, ihr Pulsschlag. Der lässt sich nicht zuletzt daran ermessen, wie sehr öffentliche Räume genutzt und bespielt werden, was von den politisch Verantwortlichen ermöglicht und von kreativen Köpfen umgesetzt wird. In dieser Hinsicht muss man attestieren: wir sind Schlafstadt.

Ein Beispiel. Die Siebenkapellen in Dreiheiligen. Ein wunderbares Areal, bestehend aus mehreren Gebäuden, einer ehemaligen Kirche und, wichtig, einem wunderschönen Garten, fußläufig vom Zentrum aus erreichbar und von einer geradezu mystischen Aura umgeben. Und – irgendwie typisch – vor dem Zugriff durch die Allgemeinheit durch eine zwei Meter hohe Mauer plus Stacheldraht geschützt.

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Das Areal, das nach dem Krieg von der Post als Lager verwendet wurde, harrt seit Jahrzehnten einer sinnvollen und dauerhaften Nutzung, etwa als Museum, öffentlicher Begegnungsraum oder Spielort für Theater und Musik. Genau das wurde in den 90er Jahren nämlich von einigen Kulturinitiativen immer wieder versucht, auch experimentelle Formen wie Rave-Parties fanden Platz. Irgendwann wurde es dem Eigentümer Bund zu bunt, er drehte das Treiben ab. Angeblich, weil die Gebäude baufällig und nicht benutzbar seien.

Das mag wohl stimmen. Eine bauliche Sanierung wäre sicher wünschenswert und klug. Denn soviel ist klar: im Grunde kann es sich eine Möchtegern-Weltstadt auf Dauer gar nicht leisten, ein urbanes Paradies wie jenes am Siebenkapellenareal im Dornröschenschlaf zu belassen.

Vielleicht kommt nun ja, spät, aber doch Bewegung in die Sache. Einzelne Künstler und Architekten wagen immer wieder den Versuch, eine Nutzung anzuregen. Und verhallen dabei regelmäßig. Umso notwendiger wäre eine wahrnehmbare öffentliche Debatte über das Areal. Hier dürfen sich auch und vor allem die bestimmenden Mainstream-Medien angesprochen fühlen, die dem Thema in den letzten Jahren keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt haben. Oder hat die Burghauptmannschaft, eine eher schwer durchschaubare Bundesorganisation, die Schlösser, Burgen und auch das Siebenkapellenareal verwaltet, derart weitreichende Verbindungen, um genau das zu verhindern? Wer weiß.

Es existiert Hoffnung. Diese stützt sich auf ein Stück Papier. Genauer gesagt das aktuelle „Arbeitsübereinkommen 2018–2024“ der Innsbrucker Stadtregierung. Dort sind dem Siebenkapellenareal immerhin ein paar Zeilen gewidmet. Ein Fortschritt. Die deklarierte Absicht der Stadtregierenden: Gemeinsam mit Land, Bund und sogenannten Experten ein inhaltliches und bauliches Konzept zu entwickeln. Bis jetzt hat man freilich noch nichts dazu gehört. Bruder Georg, schläfst du noch oder küsst du schon wach?

Der Stadtkater erzählt garantiert keine Schnurren, sondern Geschichten, die das Leben schreibt. Tragisch, komisch, hintergründig, tiefgehend. Er ist: Der Wahrheit auf der Spur.

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