Jörg Haider, breit lächelnd, am Steuer eines Porsche Cabrios, und neben ihm, brav wie ein Vorzugsschüler, Wolfgang Schüssel. Jedes mal wenn Herbert K. dieses Foto in die Hände bekam, konnte er nur den Kopf schütteln. Was war da nur in den Jörg gefahren? Wollte er mit diesem Bild den Petzner beeindrucken, oder pickelige U17 Führerscheinfrischlinge die feuchten Auges vom nächsten GTI – Treffen am Wörthersee träumten? Egal. Ein früher, tragischer Unfalltod deckt so manche Ungereimtheit gnädig zu.
Er jedenfalls war ein Mann des Volkes. Kein Möchtegernpromi, der sich selbstverliebt in den Seitenblicken tummelt und für den es das höchste ist, beim jährlichen Treffen im Stanglwirt zum Hahnenkammrennen in Kitzbühel eine Weißwurst fotogen zu zuzeln. Oder der Opernball! In einen Frack gezwängt um vom überteuerten Logenplatz aus die inzestiösen Kinder von Halbadeligen bei ihrer holprigen Polonaise zu beklatschen. Ein nostalgisches Sissispektakel für Hausfrauen mit einem Aschenputtelkomplex, wo sich Hinz und Kunz mit klimpernden Orden und falschen Juwelen zum Interview drängen. Ein Gräuel. Ein elitärer Gräuel. Begleitet von den immer gleichen Hofschranzen des öffentlichen Systemfunks. Und maximal eine kleine Anekdote für das Kaffeekränzchen des dörflichen Handarbeitsvereins.
Geschenkt! Da war Herbert K. den anderen um Meilen voraus. Er wusste nur zu genau wie man den Boulevard bedient und beherrscht: Hemdsärmelig, im Trachtenjanker, den Bierkrug in der Hand und 5000 johlenden Getreuen auf den Bierbänken. Herbert K., einer von uns! Der keinen linkslinken Walzer in der übersubventionierten Oper tanzt und uns am nächsten Tag in der ZIB 2 mit ewiglangen Schachtelsätzen eine neue Impflüge auftischt. So abgehoben! So durchschaubar!
Während die sich noch im Staatsfunk um Sendezeit prostituierten, hatte Herbert K. schon längst seinen eigenen TV-Sender gegründet. Professionell. Mit einer ehemaligen ORF Moderatorin, die jetzt sogar im Nationalrat sitzt. So macht man das. Knackige, kurze Diskussionen mit ausgesuchten Vertretern rechter und nationaler NGOs, Schlagzeilen fernab des Mainstream, Unterhaltungsfilme sowie Serien die ohne Dragqueens und feministischen Terror auskommen.
In den Sozialen Medien konnte ihm ohnehin niemand das Wasser reichen. Instagram, Facebook, Whatsapp, TikTok, X, – da wirkt ja selbst noch ein Norbert Steger wie ein junger Spund gegenüber den altmodischen, digitalen Kampagnen der Systemparteien. Und für die Senioren hatte Herbert K. jetzt auch noch einen Radiosender aus der Taufe gehoben: Deutsche Schlager, Volksmusik, Volks Rock’n’Roll, etwas Stammtischberichterstattung und fertig.
Nur beim Sport hatte er sich bisher schwer getan. Schifahren und Fußball. Die emotionale Heimstätte der nationalen Befindlichkeit. Das waren beides keine Domänen des Herbert K..
Tagelang suchte er nach seinem persönlichen Zugang. Wie nur könnte er diese Lücke füllen? Noch dazu, wenn dieses Jahr Fußball WM mit österreichischer Beteiligung war?
Interspar. Kassa 7. Natur pur. Mirjam Weichselbraun. Das Stickeralbum!
Herbert K. war schon wieder allen einen Schritt voraus! Nach Internet, Fernsehsender und Radio würde er nun eine Zeitschrift herausbringen! Ein Sammelalbum. Über Fußball! Samt Hintergrundberichten und Sammelbildern. Nur mit heimischen und deutschen Mannschaften. Ohne irgendwelche Schwarzen, Latinos, Asiaten oder Moslems. Ein echtes, deutsches Fußballmagazin!
Und den passenden Titel hatte er auch schon: Der Stürmer