Jetzt schießen sie auch bei uns aus dem Boden: am Innsbrucker Boznerplatz, in Wattens, in Wörgl… Schon komisch: Früher begegnete man den Mitmenschen einfach so, irgendwie, irgendwo, ganz ohne Verkehrsplanung und Straßenschilder. Beim Greißler oder am Friedhof, am Innufer oder im Gasthausgarten, am Bankschalter oder am Recyclinghof, auf einer Parkbank oder auch vor der Haustür. Heute müssen dafür eigene Zonen geschaffen werden, wobei die nicht unbedingt zu einem friedlicheren Miteinander und mehr Kommunikation führen. Man grüßt einander dort selten, viel eher schickt man dem anderen ein Kopfschütteln oder ein Schimpfwort hintennach. Und die Begegnung besteht vor allem in einem Aneinander-Vorbei als in einem Miteinander. Allerdings lernt man in Begegnungszonen zumindest einen Teil der Menschheit insofern kennen, dass man oft froh ist, bald wieder hinaus in die verkehrstechnische Todeszone der Autostraße zu kommen.
Denn in der Begegnungszone kommt man dem rasant im Zentimeterabstand um dich herumkurvenden Rollerfahrer und dem bedrohlich von hinten anschleichenden Lieferwagen bedeutend näher als im gewohnten Straßenverkehr. Der wackelige Senior auf seinem e-Bike (wahlweise der unberechenbare kleine Flitzer auf seinem Laufrad) wie der ungeduldig aufröhrende Porsche folgt dir im Zentimeterabstand. Und nicht zu vergessen: der Fußgänger, der endlich einmal mitten auf der Fahrbahn herumtrödeln darf: Er versetzt die Motorisierten genüsslich in den psychischen Ausnahmezustand. Was also hier amtlicherseits befördert wird, ist weniger eine Begegnung, als das geschickte Allen-Mitmenschen-Ausweichen.
Vielleicht ist aber gerade das eine der Grundfertigkeiten, die wir üben sollten, auf einer schon allzu dicht von Humanoiden bevölkerten Erde? Die Alternative allerdings gäbe es: Man könnte ja auch wieder echte Begegnungszonen abseits der Verkehrsordnung schaffen. Wo man sich nicht in ständiger Bewegung befinden muss. Wo man seine Aufmerksamkeit nicht auf einen Mit-Verkehrsteilnehmer, sondern auf einen Mitmenschen richten kann. Wo man Zeit für ein Gespräch findet. Einfach so.