Tirol schlendert wieder einmal gemächlich hinter allen anderen hintennach. Nur nicht hudeln! Den langsamen Schritt, wenn´s anstrengend aufwärts geht, haben die Tiroler ja von Kind an gelernt. Damit kommt man angeblich immer ans Ziel. Wenn auch manchmal halt zu spät. Und bei Schlechtwetter kehrt man eben auch mal um.
Der Equal Pay Day für Österreichs Frauen war der 11. Februar. In Tirol allerdings arbeiten die Frauen sogar bis zum 28. Februar gratis. Dem Gipfel beruflicher Gleichbehandlung, einem Equal Pay Day 1. Jänner, kommen sie hierzulande kaum näher. Sie werden ihn wegen der vielen in den Weg gelegten Steine wohl noch jahrzehntelang nicht erreichen. Ihr jeweils gewählter Bergführer redet im Voraus zwar immer viel von der sicher geplanten Route, zeichnet öffentlichkeitswirksam ein schönes Bild vom Gipfelsieg. Und erklärt dann, es sei allerdings ein schwieriger, steiler Anstieg bis dahin, und viele Frauen vielleicht einfach noch nicht dafür gebaut, dort hinaufzukommen.
Wenn das aber so ist, dann könnten wir Frauen doch eigentlich gleich zuhause bleiben. Auf der Couch. In der warmen Stube. Wozu sich anstrengen? Lieber von Neujahr bis 1. März unbezahlten Urlaub nehmen, statt sich zwei Monate lang unbezahlt abzurackern.
Andererseits: Was würde das bringen? Wir hätten dann, anstatt die 40 Stunden am Arbeitsplatz durchzuhecheln, eben zwei Monate lang daheim so richtig Frühjahrsputz gemacht, für die Familie aufgekocht, die T-Shirts der Kinder, die verknitterte Bettwäsche und die Hemden des Mannes mal wieder ordentlich aufgebügelt. Wir hätten Ungebrauchtes aus den Kästen aussortiert. Wir hätten endlich die Fenster und den Innenraum des Wagens geputzt. Wir wären den Kindern durch andauernde Beaufsichtigung der Hauaufgaben und Freizeitbetreuung auf die Nerven gefallen.
Wir hätten die Tante im Altersheim auf den längst versprochenen Ausflug mitgenommen und dem noch halbwegs rüstigen Opa die Einkäufe erledigt. Und das alles selbstverständlich unbezahlt und unbedankt. Und wir wären am Abend genauso erschöpft vor dem Fernseher eingeschlafen. Bloß hätte keine Kollegin untertags ein nettes Wort an uns gerichtet. Und mit niemand hätten wir wenigstens in einer Pause über die Vorgesetzten motzen können, die uns ständig neue Arbeit aufhalsen. Nein, wirklich! Dann doch lieber unbezahlt und selbstverständlich und unbedankt im Job schuften. Und unsere Hoffnung eben auf den nächsten Equal Pay Day – dann vielleicht schon am 27. Februar? — richten.