Mein Unwort des Jahres 2025

12. Jänner 2026
1 Minute Lesezeit
Foto von Glen Carrie auf Unsplash

Als offiziell gekürtes Unwort machte 2025 „Rabattpickerl“ das Rennen.

Ein nettes Wort, eigentlich. Ich hätte da ein ganz anderes Kaliber im Angebot. Doch mein persönliches Unwort schien nicht einmal auf der Kandidatenliste auf, obwohl ich mir sicher bin, es hat die ganze Welt ein Jahr lang genervt und wird es weiterhin tun. Neben dem „Volkskanzler“, der es immerhin bis ganz oben schaffte, brachten es auch „Schere“, „Das Crazy“ und „Inflation“ bis „Brainrot“ unter die ersten 20. Nur meines war nicht dabei. Komisch. Dabei hört man es bis zum Überlaufen (i.e. Kotzen) täglich auf allen Kanälen: Es lautet „Deal“.

Erinnern Sie sich noch an den Englisch-Unterricht? Was für ein schönes Wort das einmal war: „Today things are a great deal better than they were …“ Und was ist daraus geworden? Jeder Schas wird uns heutzutage als „a great deal“ ohne Inhalt verkauft.

In Handelsdingen bedeutete es ursprünglich einmal ein Abkommen zur beiderseitigen Zufriedenheit. Dann rutschten das Verb und die Ableitung „dealer“ leider in den Narkogeschäftsjargon ab. Das war die erste Stufe des Niedergangs. Und heute dient es ausschließlich nur noch dazu, für den Käufer schädliche Geschäfte aller Art schönzureden.

Oder die früher geläufige Wendung: „Deal done!“, die unserem althergebrachten Handschlag entsprach. Inzwischen heißt „deal done“, dass dich einer mittels Gewaltschlägen oder Drohung damit sauber über den Tisch gezogen hat.

“To deal with a problem“ bedeutete einst, sich einer Sache ernsthaft anzunehmen. Heute bedeutet das bestenfalls noch, das Offensichtliche beiseite zu wischen und zu verleugnen. Und „to deal with someone“ … ja, da fällt einem als erstes die ICE-Truppe ein.

Kurzum: das Wort ist so kaputt, wie ein Wort nur kaputt gemacht werden kann. Und trotzdem plappert es jeder dem einen, der dieses Lieblingswort aus seinem Mini-Wortschatz — gedanklich von Dollarsymbolen gerahmt — täglich in die Welt hinausposaunt, noch lustig nach, wo immer das geht. Geht´s noch?

Auf die immer wieder neu aufgelegte Show „Deal or No Deal?” würde ich jedenfalls am liebsten jedes Mal zurückschreien „No, please! Never again! No deal!“

Geboren 1954 in Lustenau. Studium der Anglistik und Germanistik in Innsbruck Innsbruck. Lebt in Sistrans. Inzwischen pensionierte Erwachsenenbildnerin. Tätig in der Flüchtlingsbetreuung. Mitglied bei der Grazer Autorinnen und Autorenversammlung Tirol, der IG Autorinnen Autoren Tirol und beim Vorarlberger AutorInnenverband. Bisher 13 Buchveröffentlichungen.

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