Warum Frauen keine Tiroler Schützen sein können

26. Jänner 2026
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Foto von Alin Andersen auf Unsplash

Die Tiroler Schützen haben demokratisch abgestimmt und alle Gleichberechtigungsfragen geklärt: Frauen dürfen weiterhin den Männern beiseite stehen, indem sie diese mit Schnaps in der Schlacht stärken. Und Männer, echte Männer, dürfen schießen. Traditionen darf man nicht antasten, wenn es um Kampfgeschehen geht.

Das ist ja bei allen Säugetieren so: Die Männchen führen die (Schein)Kämpfe, die Weibchen stehen interessiert oder desinteressiert am Rand. Und falls sie es sich aussuchen können, suchen alte, schon etwas angeschlagene Alpha-Männchen natürlich nur die Ranggelei mit schwächeren Gegnern. Das beweist sich im ganzen Tierreich: egal ob revierfremd verirrter Eisbär in Grönland, schon halbblind und steifbeinig herumstreifender Puma in Venezuela oder alter Steinbock im Alpenzoo.

Und daneben gibt es auch noch den spielerischen Scheinkampf der Jungtiere, der als Training für spätere gefährliche Situationen geübt wird. Der ist allerdings geschlechterübergreifend.

In welche verhaltensbiologische Kategorie man den Schützenaufmarsch in Tirol jetzt einordnen will, bleibt der Wissenschaft überlassen. Fest steht nur, dass das geübte Gleichzeitig-in-die-Luft-Schießen im Ernstfall, selbst dann mit scharfer Munition, nicht wirklich nützlich sein wird. Nicht einmal bei Drohnenangriffen. Da wäre Tontaubenschießen die nützlichere Übung. Insofern sind also die Tiroler Schützen die einzigen Säugetiere, welche Scheinkämpfe völlig ohne anwendbaren Nutzen durchführen — ein bisher vernachlässigtes Unterscheidungsmerkmal des Homo Sapiens zum Tierreich. Egal ob mit oder ohne Frauen an den Gewehren. Quasi Aktionskunst. Oder, wenn man den Traditionsgedanken betonen will, ein ganzjährig vom Landeshäuptling abrufbarer Faschingsumzug, sofern man sich Konfettisalven dazu vorstellt.

Warum aber beim Schützenaufmarsch NIEMALS Frauen mit Gewehr dabei sein KÖNNEN, erklärt sich (neben oben genanntem evolutionärem Hintergrund) von selbst:

  • Frauen sehen im Dirndl einfach besser aus als in Lederhosen.
  • Wer würde dann den Schnaps ausschenken, um einen Landesüblichen Empfang zu überstehen?
  • Würden Frauen wirklich exakt auf Befehl ihr Pulver verschießen wollen?
  • Brauchen Frauen eigentlich Gleichschritt, Aufmärsche und Kampfgetöse, um sich wichtig zu fühlen?

Und was, wenn es einmal wirklich hart auf hart kommt, und die Scheinkämpfe in echtes Kriegsgeschehen ausarten? Da werfen sich die Frauen dann sowieso an vorderster Front und im Hinterland wagemutiger in den Überlebenskampf als so mancher altgediente Traditionsinfanterist — siehe die Weltkriege, siehe Nordirland, siehe Iran, siehe Ukraine. Und die Frauen schießen im Kampf gegen breitbeinig sich aufplusternde Männer dann sicher nicht in die Luft, wenn sie endlich ein Gewehr in die Hand bekommen.

  • Dies vielleicht der tiefste Grund, warum Frauen nicht zu den Schützen dürfen.

Geboren 1954 in Lustenau. Studium der Anglistik und Germanistik in Innsbruck Innsbruck. Lebt in Sistrans. Inzwischen pensionierte Erwachsenenbildnerin. Tätig in der Flüchtlingsbetreuung. Mitglied bei der Grazer Autorinnen und Autorenversammlung Tirol, der IG Autorinnen Autoren Tirol und beim Vorarlberger AutorInnenverband. Bisher 13 Buchveröffentlichungen.

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