Innsbruck aufgerieben zwischen Davos und Kitz

3. Feber 2026
1 Minute Lesezeit
(c) Helmuth Schönauer

Im Jänner finden die Weltereignisse Davos und Kitzbühel statt, die von Innsbruck aus abgesichert werden müssen.

Wenn sich VIPs dicht gedrängt ihre Hautcouture-Fetzen an einander reiben, besteht erhöhte Gefahr, dass mit einem einzigen Luftschlag alles Schicki-Micki-Leben dieser Welt ausgerottet werden könnte.

Die Sicherheitskräfte vibrieren in höchster Sicherheitsstufe vor den Hotels und Begegnungszonen, jeder, der nicht auf Anhieb als Promi erkannt wird, steht im Verdacht, ein Agent oder Terrorist zu sein.

Und seit der Ukraine wissen alle, dass es keine Sicherheit von oben gibt. Der sogenannte Luftschutz beschränkt sich auf homöopathische Patrouillenflüge mit möglichst langsamen und krawalligen Maschinen.

Schon seit Jahren ist es Brauch, dass während des Weltgipfels in Davos das Bundesheer in Zusammenarbeit mit der Schweizer Luftstreitmacht die sogenannte Ostflanke absichert.

Zu diesem Zweck sind diverse Maschinen in Innsbruck stationiert, wobei vor allem die langsam dahin kriechenden Propeller-Geräte eine gewisse Abschreckung erzielen.

Diese Flugzeugtype aus dem vorigen Jahrhundert ist vortrefflich geeignet, die Bevölkerung aufzuschrecken und wach zu halten für die Landesverteidigung.

Und darum geht es ja. Sobald die Knattergeräusche über dem Westen der Stadt auftauchen, überlegt sich jeder, wo er im Fall der Fälle einen Bunker findet. Und auch die Notfallausrüstung zu Hause geht so mancher durch, denn die Einschläge kommen immer näher.

Im offiziellen Jargon heißen diese Flugzeugtypen „Schulflugzeuge“. Sie erinnern übrigens eher an eine bemannten Drohne als an ein unbewaffnetes Flugzeug,

Damit sollen nicht Piloten geschult werden, wie man vermuten könnte, sondern die ganze Bevölkerung soll darin geschult werden, wie man Prepper wird und sich auf schlimme Zeiten vorbereitet.

Wenn das Bundesheer schon einmal in Innsbruck ist, so kann es gleich die Luftsicherung in Kitzbühel mitübernehmen, denkt man sich VIP-strategisch im Hauptquartier der Landesverteidigung. 
So kriegt das Hahnenkamm-Rennen einen zusätzlichen Charme, irgendwie etwas Nützliches zu sein, wenn diese Schulflugzeuge auch in Richtung Kitzbühel vorbeischauen, ob wohl alles in Ordnung ist.

Am Flughafen Innsbruck jedenfalls ist eine Woche lang die Lufthölle los. Die große Kunst besteht nämlich darin, zwischen den jaulenden Stehflugzeugen des Bundesheers die speedigen Privatjets unterzubringen, die im Minutentakt Promis für Davos oder Kitzbühel ausspeien.

STICHPUNKT 26|11, geschrieben am 25.01.2026

Geboren 1953. Ist seit Gerichtsverfahren 1987 gerichtlich anerkannter Schriftsteller, bis 2018 als Bibliothekar an der ULB Tirol. Als Konzept-Schriftsteller hält er sich an die These: Ein guter Autor kennt jeden Leser persönlich.

Etwa 60 Bücher, u.a.:
* BIP | Buch in Pension | Sechs Bände. (2020-2026)
* Happy Hölle Tirol | Galgenhumor auf der Tirolic. (2026)
* Leck Tirol. | Aus einem kaputten Lokalsender. (2025)
* over-tyroled. | Geheimnisse aus Trash-Tirol. (2024)
* Austrian Beat 2. [Hg. Schneitter, Schönauer, Pointl] (2023)

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