Das Innsbrucker Reithmanngymnasium verstärkt schon seit Jahrzehnten die Lust auf Zukunft.
Eine gute Anstalt bewältigt nicht nur das anfallende Curriculum für schulisches Verhalten, sie setzt auch Trends, indem für jedes Jahrzehnt ein besonderer Bildungszweig gepflegt wird.
Als das Reithmanngymnasium in den 1960ern im damaligen Osten Innsbrucks seine Pforten öffnete, durfte ich als Erstklässler mit einem Rudel unterrichtsgieriger Professoren vom akademischen Zentrum aus vor die geistigen Tore der Stadt ziehen.
Das Ganze wurde bald einmal „Prolo-Gymnasium“ genannt, weil der Anteil von Nichtakademiker-Kindern erstaunlich hoch war.
Zudem lockte man mit dem Begriff „neusprachlich“ jene in die Anstalt, die während des Griechenlandurlaubs bemerkt hatten, dass man mit dem üblicherweise gelehrten Griechisch kein Hotel buchen kann.
Wir sagten voller stolz „Anstalt“, und viele unserer Tätigkeiten wurden „Anstalten machen“ genannt, quasi eine Absichtserklärung, die das Ausführen einer anstrengenden Tat oft überflüssig machte.
Selbst das Wort Anstaltsregeln und Anstandsregeln versuchten wir in unseren Schularbeiten zu verwenden, die wir damals noch ohne Netz frei aus dem Kopf heraus formulieren konnten.
Kurzum, mein Prolo-Jahrgang hat sich bestens in der Welt durchgesetzt, zumal er bis in die Oberstufe hinein nur männlich war.
Später sind zum Neusprachlichen dann Elemente des Sports, der Politik, Demokratie und Europa hinzugekommen.
Alle diese Zweige hat man als Schulversuche abgewickelt, weil Österreich als Probebetrieb sehr innovativ und fördernd ist. Man darf nur nichts Fixes mit seinen Projekten erreichen wollen. Wenn man einen Plan in die Tat umsetzt, ist man unten durch. (Deshalb gibt es in Österreich so viele Romane, weil man darin viel erzählen kann, aber nichts umsetzen muss.)
Später hätte ich mir für meine Kinder einen „Hofratszweig“ gewünscht, also eine Anstalt, in der man als zwei Geschlechter zu Hofrätinnen heranwachsen kann.
Der aktuelle Zweig hat mit Tieren zu tun. – In einem Bonmot heißt es, zuerst sterben die Sprachen aus, dann die Tiere.
Und tatsächlich haben wir mittlerweile schon mehr tote Tiersorten auf der Welt, als tote Sprachen. Kein Wunder, dass man manche Tiersorte akademisch am Leben zu erhalten versucht wie früher Latein.
„Besser Schulversuche mit Tieren als Tierversuche an der Schule!“
Auf der Homepage sind einige Unterzweige des tierischen Gymnasiums vorgestellt.
Rennmäuse, sprechende Hühner, Achatschnecken und Schweine werden voller Stolz gezeigt. Manche dieser Tiere sind so intelligent, dass sie ihren Webauftritt selbst gestalten können.
Endlich einmal eine gute Sache, die es aus Innsbruck zu berichten gibt.
Der zweite Name des Prolo-Gymnasiums war übrigens Aufwärtsgymnasium, weil es mit uns so steil aufwärts ging.
Diesem Aufwärtstrend ist das Reithmanngymnasium über die Jahrzehnte treu geblieben.
STICHPUNKT 26|17, geschrieben am 24.02.2026