Hoffnungsschimmer am Weltfrauentag 2026

9. März 2026
2 mins read
Foto von Michelle Ding auf Unsplash

Liebe Frauen, wir haben wieder einmal alles gelesen, was die Statistiken über die Ungleichheiten zwischen Männer- und Frauenleben hergeben, die da heißen Gender Pay und Gender Care und Gender Pension Gap. Doch ich behaupte: die Hoffnung lebt! Wir Frauen werden in Einkommen und Wichtigkeit bald aufholen, ja sogar die Männer überrunden, wenn die so weitertun. Glauben Sie nicht?

Es gibt ja die sogenannten minderbezahlten Frauenberufe, das heißt, wo viele Frauen arbeiten, sinken Lohn und gesellschaftliches Prestige.  Die Geschichte legt das nahe, wenn wir an die Ehrerbietung denken, die noch vor 100 Jahren dem Dorfarzt und dem Volksschullehrer entgegengebracht wurde. Wenn man also darüber frohlockt, dass in einer Sparte viele Frauen in die Führungsetage gelangen, dann ist das nicht unbedingt als Fortschritt, sondern eher als Alarmzeichen für dieses Berufsfeld zu werten. Nie zuvor gab es zum Beispiel so viele leitende Redakteurinnen bei Qualitätsmedien! Ein Alarmsignal! Dasselbe gilt für manche Sparten des Ärzteberufs. Bei einem Anteil von 57% weiblicher Medizinstudenten sind zwar typischerweise Chirurgen und Primarärzte immer noch überwiegend männlich, die Allgemeinmedizin wird dagegen immer weiblicher. Ist das nun Gleichberechtigung? Nein. Den Männern ist die Arbeit als Praktischer Arzt für die Allgemeinkasse inzwischen wohl einfach zu schlecht bezahlt oder bietet zu wenig Renommee.

Aber Dinge können sich ändern. Auch mal in die andere Richtung.

Was, wenn allen das ungeprüfte Info-Bombardement in den Sozialen Medien einmal zum Hals heraushängt, sodass man gerne zur guten alten Zeitung oder zum Staatsfunk zurückkehrt, wo ein Name für sorgfältige Recherche haftet, und da sitzen plötzlich lauter Frauen an den Schalthebeln?  Wenn man, statt sich durch Medizin-Algorithmen durchzuklicken oder den unerschwinglich teuren Privatarzt aufzusuchen, wieder zum guten alten empathischen Kassenarzt, nun zur Kassenärztin, gehen will, welche ihre Patienten sehr viel individueller einschätzen kann als ein am anderen Ende der Welt entwickelter Algorithmus? Wenn man sich im Alter nicht von Robotern füttern und abwischen lassen will wie die Kühe im Stall?

Ja, das ist der ganz große Hoffnungsbereich: Frauen sind ja so verbiestert analog und empathisch. Das war bisher ihr Nachteil in der Arbeitswelt, denn das definiert die typischen „Frauenberufe“. Sie gebären Kinder, sie ziehen sie auf, sie stellen die Beschäftigten im Bildungswesen. Sie pflegen und reden mit und berühren die Alten und Kranken. Sie übernehmen die kleinen Bauernhöfe, die für den männlichen Erben uninteressant geworden sind. Sie schupfen auch noch in ihrer Freizeit Ernährung und Haushalt und Pflege – lauter Tätigkeiten, bei denen man kaum wegen schlechter Bezahlung in Generalstreik treten kann.

Anders in den sogenannten Männerberufen: Da arbeitet man zu höchsten Löhnen in der Metallindustrie und in der Entwicklung, verfasst und exekutiert gegen beste Bezahlung Gesetze, veröffentlicht wissenschaftliche Metastudien und Statistiken; da sitzt man in zahlreichen Aufsichtsräten, man prüft oder erstellt Bilanzen. Man befundet Röntgenbilder, entwirft Autos und Straßen …

Doch nun entwickeln Männer mit Millionengehältern gerade jene KI und Roboter, die bald schon genau die lukrativsten männlichen Arbeitsfelder obsolet machen, die Arbeit von Advokaten und Buchhaltern, Juristen und Verwaltern, Bankern und Logistikern, Röntgenärzten, Statistikern und Konstrukteuren übernehmen werden.

Und dann? Dann werden die Frauenberufe Oberwasser bekommen. Denn die KI-Algorithmen und die Industrieroboter werden weder das Kinderkriegen noch offene Gespräche und Zuwendung ersetzen. Sie werden auch Kinder nicht erziehen oder den Kranken Heilung bringen. Berührung und Authentizität der Begegnung wird dann zum Luxusgut, während reine Körperkraft und Zahlenrechnen kostengünstiger von Maschinen und Algorithmen übernommen werden.

Also, Frauen, schöpft Hoffnung! Es wird nicht die prognostizierten hundertdreißig Jahre bis zur finanziellen Gleichstellung dauern. Denn die Männer schaffen ihre höchstdotierten Jobs gerade selber ab. Ihr dürft euch bloß die „Frauenberufe“ dann nicht – unter dem Vorwand der Gleichberechtigung — von den Männern wieder wegnehmen lassen!


Geboren 1954 in Lustenau. Studium der Anglistik und Germanistik in Innsbruck Innsbruck. Lebt in Sistrans. Inzwischen pensionierte Erwachsenenbildnerin. Tätig in der Flüchtlingsbetreuung. Mitglied bei der Grazer Autorinnen und Autorenversammlung Tirol, der IG Autorinnen Autoren Tirol und beim Vorarlberger AutorInnenverband. Bisher 13 Buchveröffentlichungen.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Dünnes Glas Cover (c) ONDALY Verlag
Vorheriger Artikel

Leseprobe: Dünnes Glas

Nächster Artikel

Gut geschrumpft

Latest from Gesellschaft