In Osttirol dürfte die Summe aller Lebewesen abnehmen.
Nachrichten aus Osttirol werden „drinnen in Lienz“ anders gedeutet als „draußen in Innsbruck“.
Oft bewirkt der Wahrnehmungsort einer Botschaft das schiere Gegenteil dessen, als was diese abgeschickt worden ist.
Beispiel aus März 2026:
Die Statistik Austria veröffentlicht die Bevölkerungszahlen des vergangenen Jahres, und Osttirol weist eine Schrumpfung auf.
Die Osttiroler empfinden das als schlechte Nachricht, weil sie abermals unter der magischen Einwohnerzahl von 50.000 liegen und es schwarz auf weiß haben, dass sie ein politisches Zwerggebilde sind.
In Nordtirol freilich löst diese Nachricht vor allem unter den Klima-affinen Freude aus, weil das Schrumpfen bekanntlich die einzige Maßnahme gegen die Erderwärmung ist, die wirkt.
Die Osttiroler sind wieder einmal Pioniere, indem sie ihre Stammbäume ausdünnen und nur mehr höchste Nachwuchsqualität zulassen.
Und tatsächlich werden die Osttiroler als umso uriger empfunden, je weniger sie sind.
Mit diesem Lob der reduzierten Nachkommenschaft könne man jetzt die Analyse der Statistik Austria auf sich beruhen lassen.
Aber zur gleichen Zeit sind auch noch zwei interessante Nachrichten über andere Lebewesen, als es Osttiroler sind, erschienen.
Im Zusammenhang mit den Brutplätzen seltener Vögel wird bedauert, dass manchmal unterhalb der Nester Klettergärten angelegt sind, die das Eier-Sitzen der Vögel stören.
Wie jedes Lebewesen braucht auch der Brutvogel äußerste Ruhe und Konzentration, um sich vollendet reproduzieren zu können.
In diesem Zusammenhang kommt einem eine bedauerliche Entwicklung am Innsbrucker Airport in den Sinn. Seit dort an Winterwochenenden der Flugzeuglärm ins Unermessliche steigt, hat auch die Anzahl der Kinder im Bereich der Aviatik-Schneisen abgenommen.
Oft wohnen im Westen der Stadt „nur“ Studenten, die an den lärmenden Wochenenden heimfahren, um vielleicht dort zu einem eigenen Nachwuchs zu kommen.
In Innsbruck jedenfalls kannst du in manchen Bereichen das Kinderkriege vergessen!
Und vom Lärm stammt auch die letzte Nachricht.
„Bellen statt Böllern“ heißt eine Demonstration von Hunden, die sich über alle Parteigrenzen hinweg für ein Böller- und Pyrotechnik-Verbot einsetzen.
Die Demonstrierenden auf der Fahrbahn werden von den Hundelosen Passanten am Gehsteig beklatscht.
„Bravo – ich auch nix knallen!“ ‒ Der Sprachmix bei Demonstrationen ist beachtlich.
Manche geben sich auch als angestammte Einheimische zu erkennen und meinen, dass sie sich sofort einen Hund zulegen würden, wenn man dadurch die Silvesterknallerei abschaffen könnte.
Schrumpfen ist also das Gebot der Stunde: beim Lärm, bei der Größe der Bevölkerung, beim Klettern in entlegenen Gebieten.
Eigentlich lässt sich alles schrumpfen, wenn man es will.
Dem Getue um den Fachkräftemangel sollte man nicht auf den Leim gehen.
STICHPUNKT 26|19, geschrieben am 01.03. 2026