AFEU-Literatur kümmert sich um jene, die digital verlorengegangen sind.
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Wenn im Februar das neue Jahr endgültig am Schreibtisch angedockt hat, lassen sich wieder vernünftige Sätze über den Literaturbetrieb formulieren. Im Trubel des Jahreswechsels und der Jahresbilanz fallen nämlich oft Sätze, die mit dem Schreiballtag wenig zu tun haben.
So ist es erstaunlich, dass die Leute nach dreißig Jahren Digitalisierung noch immer nicht ganz begriffen haben, dass manches sich nicht digitalisieren lässt.
O.k., jeder vernünftige Dichter hat mittlerweile die Files auf der Unibibliothek stehen, weil gedruckte Bücher für die nachgerückten Lesekohorten einfach zu schwer zum Halten sind.
Aber eines hat sich deshalb nicht verändert: Literatur berührt einen analog und nie digital.
Dadurch kommt auch eine alte Heilkraft diverser Literaturvereine aus dem letzten Jahrhundert zum Tragen.
„Solidarität ist analog!“
2.
AFEU-Literatur fußt auf dieser analogen Solidarität.
Natürlich werden die Texte digital verbreitet und gelesen, aber der entscheidende Akt der Rezeption geschieht analog, weil emotional.
Seit es in Tirol nicht einmal mehr möglich ist, seine Bücher zu verschenken, geschweige denn zu verkaufen, weil sich keine Sau dafür interessiert, besteht die Aufgabe der Autorinnen darin, sich im Untergang zu solidarisieren, indem sie sich gegenseitig lesen.
Für den Verlag TAK (Tiroler Autoren Kooperative) haben wir vor vierzig Jahren das Ziel der Literatur ausgerufen. Es bestehe darin, dass ein Weltverlag mit einem Weltdichter Weltliteratur für den Weltleser mache. Diesem Sog wolle TAK widerstehen.
Inzwischen ist die Literatur zu einem weltweiten Datenstrom geworden, bei dem Akteure, Autoren und Leser keine Rolle mehr spielen.
Die AFEU-Literatur leistet in diesem Weltstrom tapfere Orientierung, indem sie wie gelbe Enten nach dem Schiffbruch die Container verlässt und selbstbewusst an Land geht.
Es wird durchaus über Literatur im Land diskutiert, auch wenn es kein staatlich gefördertes Kompendium dafür gibt, wie früher bei Literaturzeitungen.
3.
Orientierung im Diskurs lässt sich 2026 durchaus einholen bei:
– AFEU
In diesem Medium lesen Autorinnen untereinander ihre Texte und stellen Meta-Texte dazu als Aviso, Klappentext und Rezension ins Netz.
– schoepfblog
Darin werden Rezensionen zur Tiroler Literatur mit den Essay-Themen in Verbindung gesetzt, die gerade diskutiert werden.
Beispielsweise tragen die Romane der letzten Jahre einen scharfen Ton gegenüber den Schattenseiten des Tourismus in sich, wenn man etwa an Norbert Gstrein, Michèle Yves Pauty, Robert Prosser, Stefan Soder oder Margit Weiss denkt.
– Lilit, Literarisches Leben in Tirol
Auf der Plattform rund um das Literaturhaus am Inn sind mittlerweile ausführliche Rezensionen angesiedelt, die die wesentlichsten Akzente der aktuellen Literatur in Tirol beleuchten.
– Lesen in Tirol
In diesem Organ der Bildungsdirektion sind regelmäßig Rezensionen eingestellt, die für die pädagogische Arbeit der Lesevermittlung und das Handwerk der Schulbibliotheken von Nutzen sind.
Was immer auch hinter der Schnittstelle zum eigenen analogen Ich passiert:
Lesen macht solidarisch, hautnah und impulsiv!
STICHPUNKT 26|12, geschrieben am 26.01. 2026