(c) Michael Baumgartner
AFEU Kolumnist (c) Michael Baumgartner

The power of being nice 48

oder Mander es isch Zeit.
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Hallo mal wieder. In letzter Zeit habe ich nicht viel von mir hören lassen.

Neben viel Stress im Job, mehr Aufmerksamkeit für die Familie und auch der einen oder anderen Stunde, die ich mir selbst genommen habe, blieb wenig Zeit, an meiner Kolumne zu schreiben.

Aber jetzt nehme ich sie mir wieder; die Zeit. Denn in mir brodelt es. Und um meinem Lebensmotto und auch dem dieser Kolumne treu zu bleiben, muss ich das loswerden.

Ich habe aktuell wirklich ein massives Problem mit einem Teil meiner Geschlechtsgenossen und das hat nichts mit Misandrie zu tun.

Mir ist bewusst, dass pauschale Vorwürfe oft auch die Falschen treffen. Aber ich habe auch keine Lust mehr, leise zu sein.

Was mich so wütend macht: Dieses Muster bleibt seit Jahrzehnten gleich. Und zu viele Männer sagen zwar, sie seien „nicht so“, tun aber nichts, wenn andere es sind. Dieses Schweigen, das Relativieren („Wir wissen ja nicht, ob es stimmt“) oder das reflexhafte Verteidigen sind Teil genau dieser Struktur.

Ich bin kein Richter. Und wenn vor Gericht die Unschuldsvermutung gilt, dann glaube ich im ersten Schritt den Betroffenen – den Frauen.

Denn genau hier liegt ein grundlegendes Problem unserer Gesellschaft. Ob bei sexuellen Übergriffen, Krankheiten, Mobbing oder Vergewaltigung: Immer wieder wird angenommen, dass die Frau etwas falsch gemacht hat, dass sie sich falsch verhalten, etwas provoziert oder es einfach missverstanden hat. Das muss sich ändern.

Die Vielzahl an Fällen, die sich immer wiederholen, zeigt deutlich: Unsere Gesellschaft muss aufhören, Frauen reflexhaft zu verdächtigen. Stattdessen muss ihre Perspektive zumindest ernst genommen werden.

Oft hört man den Vorwurf an die sogenannte „linke Bubble“, sie würde nur dann laut werden, wenn es jemanden aus dem rechten Spektrum betrifft. Das hat man zuletzt auch im Zusammenhang mit den Epstein Files gesehen. Für mich ist klar: Es ist völlig egal, welchem politischen Spektrum Männer angehören, die Frauen oder Kindern so etwas antun. Und wenn es jemand ist, von dem ich Fan war oder dessen Arbeit ich schätze – und es ernsthafte, glaubhafte Vorwürfe gibt -, dann muss er genauso zur Verantwortung gezogen werden wie jeder andere.

Bei Christian Ulmen ist es für mich ähnlich. Ich habe seine Arbeit immer sehr witzig gefunden. Aber aktuell ist für mich klar, dass ich mir seine Inhalte nicht mehr ansehen werde. Ich kann Kunst und Künstler in so einem Fall nicht trennen und werde mich daher nicht mehr mit seiner Arbeit beschäftigen.

Es muss aufhören, dass Männer tun und lassen können, was sie wollen und dabei von anderen Männern verteidigt, entschuldigt oder sogar gefeiert werden. Solidarität mit den Betroffenen bedeutet für mich nicht, pauschal gegen Männer zu sein. Es geht auch nicht darum, reflexhaft „Not all men“ zu sagen, sondern endlich als Mann klar Position zu beziehen: „Nicht in meinem Namen.“

Auf Social Media habe ich das bewusst zugespitzt formuliert. In einer meiner ersten Kolumnen habe ich geschrieben, dass „nett sein“ nichts damit zu tun hat, nicht klar und bestimmt für seine Überzeugungen einzustehen. Und wenn es dafür einmal deutliche Worte oder auch ein Schimpfwort braucht, dann ist das in Ordnung.

Ich weiß, dass es für viele junge Männer aktuell schwierig ist, ihren Platz und ihren Weg zu finden. Und ich sehe auch, dass manche ins rechte Lager abdriften, weil sie sich dort verstanden fühlen.

Ich will mit meiner Haltung junge Männer weder abschrecken noch pauschal verurteilen. Aber ich will klar sagen: Dieses Verhalten ist nicht das, was einen Mann ausmacht.

Die sogenannten Con- und Pickup-Artists – schon der Name spricht für sich – predigen auf Social Media ein Bild von Männlichkeit, das darauf basiert, Frauen zu manipulieren, abzuwerten und Macht auszuüben. Dazu kommt eine frei zugängliche Pornoszene, die genau dieses Bild verstärkt und sich tief in den Köpfen junger Männer verankert. All das trägt dazu bei, dass sich ein verzerrtes Männerbild weiter festigt.

Ich will dem etwas entgegensetzen:

Das macht keinen Mann aus. Im Gegenteil: Das sind nicht die Männer, die diese Welt braucht. Die Männer, die wir brauchen, sind nicht die, die Macht ausleben – sondern die, die Verantwortung übernehmen. Die sich als Verbündete für alle Geschlechter verstehen und Gleichberechtigung nicht nur fordern, sondern leben.

Genau das will ich mit diesem Statement – auch jungen Männern – vor Augen führen.

Ruheloser Serial Entrepreneur und Podcaster aus Innsbruck. Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Redet eigentlich lieber wie er schreibt, aber siehe Satz zu neuen Herausforderungen, weiter vorne. Hat sich seine kindliche Begeisterung für alles was Popkultur betrifft erhalten.

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