Die virilen Formen der Anbetung: Hemdsärmeliges Schulterklopfen und brachialer Händedruck. Die grobschlächtige Intimität der maskulinen Verehrung. Jedes mal ein Canossagang für Herbert K., wenn er sich, umringt von seiner Sicherheitsstaffel, durch den Mittelgang eines Bierzeltes zum Podium vorarbeitete. Ein Grausen. Eine Überwindung. Das Schicksal der Führerfiguren.
Wer die Massen bewegen will, muss geschickt die Balance zwischen Volksnähe und ikonischer Überhöhung wahren. Mit pubertärem Anhimmeln und hysterischem Applaus geben sich nur Kleingeister zufrieden. Und die sogenannten Künstler. Sein Anspruch war da diametral anders. Quasi ein messianischer: Herbert K., DAS Sinnbild aus Ehre und Treue. Mit ihm und durch ihn. Gewachsen aus der Mitte des heimatlichen Bodens.
Man kann sich da einiges von den Religionen abschauen, solange man sich nicht selber in der Versteinerung der ideologischen Orthodoxie verfängt. Apropos Versteinerung. Steiner. Christoph Steiner. Es braucht nun einmal jede schlagkräftige Bewegung auch ein paar dieser einfach gestrickten Wirtshausrabauken, die in ihrem vorauseilenden Gehorsam sich nicht scheuen, einen Bischof bei der Feldmesse eines Volksfestes anzupflaumen. Und dann noch eine Handvoll Jugendliche, die angetrunken im Zug herum grölen. – Fertig ist der übliche Aufschrei der Systempolitiker und der linkslinken Gemengelage.
Die sollten einfach still sein. Ihren Mund halten und vor der eigenen Tür kehren. Dieses ständige Moralisieren interessiert ohnehin schon längst niemand mehr. Aber nein! Permanent wird da versucht, alles was mit Tradition und Brauchtum zu tun hat, ins Lächerliche zu ziehen.
Für Herbert K. war das mehr als bloße Frechheit. Und gleichzeitig natürlich eine willkommene Steilvorlage: Wer bezahlt denn all diese pseudointellektuellen, linken Festivals? Diese beschämende Pornopeinlichkeit auf der Biennale? Die halbleeren Staats-theater? Diese windigen Vernissagen? Diese Ach-so-kritischen-Ausstellungen? Der Steuerzahler!
Damit sich diese selbsternannten, linken Eliten gegenseitig beklatschen können und in ihrer Überheblichkeit auch noch behaupten, so etwas wie Kunst oder Kultur zu machen. Aber das wird sich ändern. Wenn es nach ihm, Herbert K., ginge, dann wären diese Zeiten schon längst vorbei, wo sich diese vermeintlichen Kulturschaffenden in rücksichtsloser Selbstverständlichkeit mit öffentlichen Subventionen vollstopfen und dann noch ständig jammernd, von der Freiheit der Kunst schwadronieren. Nicht die Kunst macht frei. Es ist die Arbeit. Da gab es für Herbert K. nichts zu diskutieren.
Es fehlt da leider die natürliche Auslese. Man muss die Spreu vom Weizen trennen. Echte Gefolgschaft verträgt kein Schmarotzertum. Es muss eine Ehre sein, dazugehören zu dürfen. Das hatte sich Herbert K. vom Judentum abgeschaut. Da wird nicht akquiriert. Die achten darauf, dass die Leute von selbst kommen. Und dann wird ihnen noch drei Mal abgesagt. Erst dann gehören sie zum Auserwählten Volk, zur Elite.
Und man sieht ja, was dabei herauskommt. Ein gesundes, schlagkräftiges Volk, das sich zu wehren weiß; ein Geheimdienst, vor dem nicht nur die Feinde zittern und eine Armee die durch dick und dünn geht.
Mit so einer Truppe – das gestand sich Herbert K. neidlos ein – da kann man schon ein wenig ins Träumen kommen, von wegen Herrschaft und Welt und so. Da brauchte er sich nur den Netanjahu anschauen, oder diesen Minister für Nationale Sicherheit, diesen Ben-Gvir. Richtige Männer. Staatsmänner. Stark, zäh, gerissen und klug. Die Elite ihres Volks. Hervorgegangen aus einer historischen Auslese.
Benjamin Netanjahu und Itamar Ben-Gvir. The Survival of the Fittest.
So gesehen war der Holocaust für Herbert K. unterm Strich eine evolutionäre Geschichte.