Mogelpackungen

18. Mai 2026
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Foto von Ari Sha auf Unsplash

Großer Aufreger! In der Milka-Schokoladetafel sind nur noch 90 statt 100g drin! In Deutschland haben sich sogar Gerichte damit befasst. Zu wenig süße Kalorien fürs gute Geld.

Dabei nimmt man solche Mogelei anderweitig achselzuckend zur Kenntnis. Übergroß aufgerissene Mundwerke (physisch besonders auffällig bei Nigel Farage), versprochene & nicht abgelieferte Süßigkeiten bzw. Süßbitteres in Großpackung beherrschen die politischen Debatten. Süße Regierungssprecherinnen mit perfekt Silikongel-gestylten Visagen und Busen verkünden uns ewige Jugend und die Weltlage. Die schönsten Menschen der Welt bestehen aus bis zum Gehtnichtmehr fotogeshoppten Muskeln und Gesichtern — wie auch die Produkte, die sie bewerben. (Von hiesigen Politikern und -innen wollen wir einmal schweigen. Das steckt bei uns noch in den Kinderschuhen. Da sind tiefblau getunte Augen und Mundkorrekturen auf Plakaten erst ein amateurhafter Anfang) Die ganz Großen im Leistungssport dagegen kennen die Tricks und Produkte schon seit Langem, mit denen man Muskeln vergrößert, ebenso der kleine Mann im Fitnessstudio, der was darstellen will. Die damit einhergehende Shrinkflation von Gehirn und Spermien wird fürs erfolgreiche Auftreten in Kauf genommen.

Die Botschaft überall lautet: Wer sich nicht aufplustert, hat nie gelebt!

Im Handel versucht man diesem Phänomen täuschend großer Verpackung bei geschrumpftem Inhalt gesetzlich beizukommen, wenn auch – von Milka abgesehen — noch mit wenig spürbarem Erfolg.[1]  Deshalb vergibt die Verbraucherzentrale Hamburg alljährlich den Titel „Mogelpackung des Jahres“. Man sollte diese Auszeichnung eigentlich auf Wirtschaft und Politik ausweiten. Dann wäre letztes Jahr der Friedenspreis der FIFA für Trump ein sicherer Sieganwärter gewesen. Oder in noch früheren Jahren hätten die diversen „Unternehmer des Jahres“ (Rene Benko und andere Großbetrüger) gute Chancen auf einen Titel gehabt. Im heurigen Jahr könnte sich Tirols höchste Landesauszeichnung, der Große Tiroler Adlerorden, chancenreich am Wettbewerb beteiligen: Denn er ging an die bayrische Landtagspräsidentin Ilse Aigner für besondere Verdienste in Bezug auf die nachbarschaftlichen, grenzüberschreitenden Beziehungen (für jahrelange Zollkontrollen und die Dauerblockade der Brenner-Zulaufstrecke?) und an Hans Niessl,  den früheren burgenländischen Landeshauptmann,  für seine Verdienste um die Zusammenarbeit zwischen Burgenland und Tirol (der Öffentlichkeit bisher unbekannt, vielleicht aber, wie so vieles, in bescheidener Anonymität in Hinterzimmern geleistet?).

Kurzum: Mogelpackungen, wohin das Auge blickt. Wer sich darüber ärgert, vergeudet bloß seine Energie. Lieber Größe und Wert des Inhalts selber überprüfen. Wie heißt es so schön, wenn der Staatsanwalt von Täuschung spricht: Es war doch nicht so gemeint. Bloß Satire. Alles Leben ist schließlich Kunst.


[1] Es gäbe dafür übrigens eine sehr viel praktikablere Lösung als die seit April im Anti-Mogelpackungs-Gesetz vorgeschriebene: Bloß die bisher winzig am Preisschild ausgewiesenen kg/Literpreise sehr groß anzuschreiben und zwar fürs Vorjahr/ aktuell. Dann könnte sich der Verbraucher — auch ohne Brille — selbst ein Bild vom Inhalt und seinem Wert machen.

Geboren 1954 in Lustenau. Studium der Anglistik und Germanistik in Innsbruck Innsbruck. Lebt in Sistrans. Inzwischen pensionierte Erwachsenenbildnerin. Tätig in der Flüchtlingsbetreuung. Mitglied bei der Grazer Autorinnen und Autorenversammlung Tirol, der IG Autorinnen Autoren Tirol und beim Vorarlberger AutorInnenverband. Bisher 13 Buchveröffentlichungen.

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