Beim gigantischen Alpenregionstreffen in Innsbruck haben ermüdete Marschierer Mühe, oben und unten auseinanderzuhalten.
1. Internationale Sicht
Eine Unaufmerksamkeit in der Weltredaktion führt dazu, dass die Files vom Schützenaufmarsch in Innsbruck mit jenen aus Teheran vertauscht worden sind.
Aber die Bilder sind täuschend ähnlich.
Wir sehen den Pass Hormus, im Volksmund Brenner genannt, wie er blockiert wird.
Zu beiden Seiten stauen sich Container-LKW und Tanker.
In der Hauptstadt der Blockierer jubeln Massen ihren Milizen zu, die grimmig Waffen durch die Straßen tragen.
2. Vorderansicht
Im echten File ist nur die Vorderansicht des Umzugs zu sehen.
Etwa 12.000 auf historisch getrimmte Kombattanten tragen Schau-Waffen und erlesenes Kulturgut aus den Heimatmuseen durch die Gegend.
Alle sind glücklich und winken.
Es liegt eine Lebensfreude über den Marschrouten quer durch die Stadt, wie man sie sonst nur auf diversen Laufstrecken erlebt, wenn Alt und Jung aneinander vorbeiläuft, schwitzend, trabend, vollgepumpt mit Glückshormonen.
Wenn man diese glücklichen Gesichter sieht, bedauert man, dass solche Aufmärsche immer wieder für gewisse Ideologien instrumentalisiert werden.
Einfach in die Kamera winken und ein Gemeinschaftsgefühl auskosten – was für ein tolles Rezept!
3. Hinteransicht
Jeder Marsch muss ein Ende haben, das mehr oder weniger sehnlich erwartet wird.
Im Falle des „Langen Marsches von Innsbruck“ liegt das Ziel im Messegelände, wo es vor allem eines gibt: Pissoir!
Der Blasendruck der dampfenden Maschiermeute muss gigantisch sein!
Manche lassen ihr Wasser durch das offene Trachtentürl, anderen gelingt es nicht mehr, dieses zu öffnen und sie brunzen im wörtlichen Sinn in die Brunzlade.
Aber vielen ist dieses Ziel versagt, und es zerreißt sie buchstäblich auf der Strecke.
Vor den Häusern der finalen Strecke haben sich Einheimische aufgebaut und verscheuchen die Brunzenden mit gscht-gscht-Lauten wie angeschlagenes Federvieh.
Viele sind so angesoffen, dass sie sich zum Weitergehen anstandslos in die richtige Richtung drehen lassen mit einem Klaps auf den Schützen-Po.
Ein paar weinen, dass sie es nicht mehr aushalten vor Druck, zumal viele eine Altherrenoperation an den vormaligen Geschlechtsteilen durchgemacht haben.
Irgendwie werden die Komatösen von einer Nachhut aufgesammelt und dem offiziellen Piss-Gelände zugeführt.
Als sich am Abend die ersten Einheimischen wieder auf die Straße wagen, sehen sie, dass die Mauer des Hofgartens von A bis Z niedergeschifft ist.
Jedes Glück hat seinen Preis! Zu jedem Ereignis gibt es eine Vorder- und eine Hinterseite!
STICHPUNKT 26|40, geschrieben am 18.05. 2026