Die schönsten Gespräche sind jene, bei denen man zwischendurch einschlafen kann.
Auch wenn man als alter Schriftsteller schon vom Literaturbetrieb ausgespuckt ist, bleiben die Sinnesorgane immer noch scharf, um komische Sachen in sich aufzunehmen.
Gerade weil das Gehörte und Gesehene sich literarisch nicht mehr verwerten lässt, entfaltet sich im Körper eine wohlige Zufriedenheit, als wenn man etwas eingenommen hätte.
In der Hitze des Sommers werden einem im Gastgarten verschiedene Gesprächsfetzen zugetragen, denen man nicht weiter nachgeht. Nicht einmal in jene Gegend zu schauen, aus der diese Sätze kommen, macht Sinn, ‒ und schon gar nicht braucht es ein passendes Gesicht zu den ausgeformten Sätzen, die ungefragt von Tisch zu Tisch wehen.
Am Abend schüttelt der wiederum um einen Tag gereifte Mensch die Sätze aus der Erinnerung, um zu sehen, wie weit die Selbst-Vergreisung schon fortgeschritten ist.
Dabei wehren sich zwei Gesprächsbausteine gegen das vorzeitige Löschen aus der Erinnerung und kochen noch einmal grotesk auf.
Im einen Fall sagt jemand zu jemand anderem:
– „Diejenigen, die gegen Mauern an den Grenzen sind, fordern im Parlament hymnisch Brandmauern gegen ihre Gegner.“
In einem anderen Fall sagt ein anderer zu einem ebenfalls anderen:
„Wenn die Bauern keine Herdenschutzzäune gegen die Wölfe errichten, so muss man sie so lange klagen, bis sie bankrott das Schafland aufgeben.“
Wahrscheinlich hat beides miteinander zu tun, indem sich Ideologen keine Gedanken machen, wie ihre Ideologie in der Praxis aussieht.
Ach der schöne Sommer! Er ist jeden Tag schön wie in einem Bilderbuch aus der Kindheit, wo wir ihn erstmals in der Theorie kennenlernen durften. Und jetzt in der Praxis des Alters saugen wir ihn auf mit einem Körper, der voller Sehnsucht nach Kindheit ist.
Eine Truppe Pensionisten kommt gerade mit dem Flieger aus Kalabrien zurück und stellt fest, dass es in Innsbruck heißer ist als in Lamezia Terme, von wo aus sie gerade gestartet sind.
– Wenn dass so weitergeht, brauchen wir nächstes Jahr nicht mehr in den Süden zu fliegen, sagt jemand.
– Aber ein anderer kontert: Jetzt hat die Bundesregierung den Flughäfen gerade 60 Millionen Hilfe gewährt, jetzt dürfen wir die Airlines nicht im Stich lassen und müssen weiterfliegen, was das Flugzeug hält!
STICHPUNKT 26|51, geschrieben am 24.06.2026