Im Garten haben wir das Bunkerradio an, falls was ist, können wir in den Keller gehen.
An manchen Wochenenden sitzen wir im Garten so weit voneinander entfernt, dass wir uns nahe sind, aber gerade nicht auf den Keks gehen.
Zwischen uns steht das mit Batterie gespeiste Bunkerradio, das wir stündlich abhören, ob Gefahr in Verzug ist.
Wir trauen nämlich nicht dem Alarm am Handy, seit uns der Katastrophendienst bei der Zustellung einer besonders tiefen Warnung vergessen hat.
Wir reden wenig miteinander, nur wenn wir die Nachrichten verstanden haben, nicken wir uns zu und schauen anschließend auf die Vegetation, ob sich schon irgendwelche Auswirkungen darauf erkennen lassen.
Nach der dritten Meldung fällt uns beiden auf, dass jede Nachricht mit einem Timmy zu tun hat.
Ich will schon einen Witz machen, und von einem Timmytus im Nachrichten-Ohr reden, würge den Witz aber hinunter, weil die Frau in der Gartenliege keinerlei Witz von mir hören will.
Dabei sind die Nachrichten über Timmy beeindruckend.
Im ersten Fall ist jener Wal, den sie Timmy genannt haben, endgültig vor der dänischen Küste explodiert.
Im zweiten Fall heißt das kleine Kind, dem der Vater mit dem Rasenmäher zur Mittagszeit über den Fuß gefahren ist, für Tirol nicht unüblich Timmy. Ja auch der Pilot des gelben Hubschraubers soll Timmy heißen, und für das Fluggerät war ja ursprünglich der Name „Timmy Zwo“ vorgesehen, ehe man sich dann doch auf Martin geeinigt hat.
Als wir schon für dieses Wochenende aus dem Garten gehen wollen, da schieben sie noch eine Nachricht nach.
Beim Hantieren mit einer Schusswaffe in der Nähe von Innsbruck hat sich ein Einheimischer ins eigene Bein geschossen. Die Tragödie dieser Nachricht besteht darin, dass der Verunfallte die eigene Waffe auf den Namen Timmy getauft hat.
Wenigstens hat man uns die Haushaltsabgabe für das Radiohören im Garten schon wieder für zwei Monate im Voraus abgezogen, sodass wir die Timmy-Nachrichten alle legal empfangen können.
STICHPUNKT 26|49, geschrieben am 16.06.2026