Inns’bruck ist ein Paradies für seltene Berufe mit optimistischem Touch.
Ein Vorstiegskletterer berichtet in Radio Tirol, dass er die Saison vorziehen werde.
Auf die Alten nimmt man oft keine Rücksicht, wenn Optimismus verströmt wird. Wahrscheinlich in der irrigen Annahme, dass sie nur mehr düster an den Tod denken und für sonnige Gemütsaufhellungen nicht mehr empfänglich seien.
Umso höher ist es gerade Sportlern und Künstlern anzurechnen, wenn sie neben ihren Tätigkeiten als Influencer manchmal auch die klassische Nachrichtenwelt mit optimierter Selbstdarstellung beglücken. Denn nichts wirkt in der Gebrechlichkeit des Alltags so aufmunternd, wie eine Nachricht, dass jemand den Beginn einer Saison oder die Publikation eines Gedichtes vorgezogen habe.
Aber die Nachricht lautet wirklich so: Der Innsbrucker Meister des Vorstiegs hat den Beginn der Saison vorgezogen!
Da es sich bei diesem Nachrichtenmedikament quasi um einen psychischen Aufheller handelt, liest man im Geiste den Beipackzettel durch, um den vollen Nachrichtengehalt nicht mit Abschweifungen zu verwässern.
Also beim Vorstieg handelt es sich um eine Karriere am Seil aus der Sicht der Kletterkunst. Durch sinnvolles Einhängen in die Sicherung können Körperschäden bei Abstürzen verhindert werden.
Ein Vorstieg-Kletterer ist daher so etwas ähnliches wie ein Hofrat, der seine Karriere mit allerhand Sicherungsseilen abgestützt hat.
Da Hofräte (HR) und Vorstiegskletterer (VK) meist still vor sich hin arbeiten, müssen sie etwaige Kontakte mit der Öffentlichkeit lautstark bekanntmachen.
(Aus einem Ministerium in Wien wird noch immer der Witz erzählt, dass ein Hofrat die Klingel zu seinem Büro mit der Melodie des Sandmännchens hinterlegt habe, damit er drinnen am Schreibtisch nicht gestört würde.)
Ähnlich sorgfältig mit der Öffentlichkeit geht das Innsbrucker Aushängeschild des Vorstiegskletterns vor, wenn es auf Radio Tirol im Stundentakt verkünden lässt, dass überraschenderweise die Saison vorgezogen wird.
Gerade wir Alten sind froh um diese Nachricht, die uns ermuntert, unsere Saison ebenfalls etwas vorzuziehen.
Vielleicht sollten wir den Abgang aus der Nachrichtenwelt etwas vorziehen, ehe die Nebenwirkungen des Kletterns auch auf jenes Bett überschlagen, in dem wir unser Leben mit dem Optimismus von Radio Tirol zu beenden gedenken.