Überall marschieren sie wieder: auf Volksfesten und bei Landesempfängen, auf Demos wie auf Parteitagen aller Couleurs, und natürlich auch in großen nationalen Paraden. In malerischem oder martialischem Outfit, doch stets in Gleich- oder gar Stechschritt. Sie präsentieren ihre Waffen und ihre Fahnen, schießen exakt in die Luft, und trinken danach ein wohlverdientes Bier oder einen Schnaps, um ihren Heldenauftritt abzuschließen. Sie fühlen sich – in Tirol wie in jedem Land der Welt — gut und hochgeachtet, diese in Kompanien gebündelt auftretenden Helden.
Diese regelmäßig wiederkehrenden Laufsteg-Auftritte im Muskelwettbewerb der Männlichkeit, zu Ehren von irgendeinem Sponsor oder irgendeinem unklar formulierten Zweck, sind sogar als Einsatzsimulationen unnütz, aber imposant anzusehen und eine offenbar notwendige Tradition.
Die echten Helden und Heldinnen kämpfen derweil in dreckigem Outfit um ihr eigenes und anderer Überleben, stecken in erstickenden Ganzkörperanzügen bei der Pflege Seuchenkranker, arbeiten schlaflos bis zur Erschöpfung für Unbekannte, die sich selbst nicht mehr helfen können. Sie bekämpfen Feuersbrünste. Sie reißen sich die Hände blutig bei der Rettung Verschütteter unter Trümmern. Sie liegen hungrig und durstig in nassen Schützengräben. Und müssen sie schießen, mit den auf Paraden stolz hergezeigten Waffen, tun sie dies auf Kommando nicht in die Luft, sondern auf ebenso armselige, gottverlassene Helden, wie sie selbst es sind.
Und diese echten Helden, die nicht simulieren, sind anschließend kaputt, brauchen Supervision und Psychiater, um ihr gelebtes Heldentum, falls sie es überhaupt überlebt haben, ertragen zu können — denn Heldenhaftigkeit ist in Wahrheit nur eines: Sie ist schmutzig und sie tut weh.
Deshalb werden wir keinen echten Helden jemals schön paradieren sehen.