(c) Helmuth Schönauer

Zwei Erfindungen aus der Entwicklung der Menschheit

2 Minuten Lesedauer

1. Schweiß 

Durch die Erfindung des Schwitzens konnten die Jäger plötzlich das Fell abwerfen und mit nackter Haut durch die Savanne traben, wie es heute noch die Beamten in ihren Bürotürmen machen.

Die konnten gemütlich in Bewegung bleiben, wie unsereins heutzutage am Laufband, und die Beute verfolgen, die nicht schwitzen konnte wegen des Fells.

Es versteht sich von selbst, dass das Jagdglück auf die Schwitzenden fiel, denn das Glück denkt immer logisch.

Das Felltier hingegen fällt früher oder später dem eigenen Kreislauf zum Opfer und bricht zusammen.

Jetzt konnten sich die Beamten den Schweiß der Dienstzeit aus der Stirn wischen und die Beute des Tages abstechen.

Nach einem gemütlichen Heimgang mit Beute waren sie echte Stars im Clan, hatten jede Menge Geschlechtsverkehr, sodass sie sich bald vermehren und in die ganze Welt vorstoßen konnten.

2. Schließmuskel

In grauer Vorzeit mussten die Menschen ohne Schließmuskel herumrennen, weil er noch nicht erfunden war.

Kein Start-Up vor den Neandertalern war imstande, etwas Vernünftiges wie den Schließmuskel zwischen die Beine zu bringen.

Im Gegenteil, kaum tröpfelte etwas aus dem Loch der Endverdauung, standen die Start-Ups herum und hielten es für eine gelungene Erfindung.

Und umgekehrt gab es jede Menge Traffic über den Enddarm. Schon auf dem Weg zu Jagd musste man sich mehrmals in den Hintern greifen, um Parasiten und After-Trolle herauszukratzen, damit man beweglich blieb.

Und später, wenn man von der Jagd erzählte, drängten schon wieder Fleisch-Schmarotzer in den Hintern, um diesen auszuschlecken wie eine Teigschüssel, weil diese zu faul waren, selbst auf die Jagd zu geben.

Es war schließlich ein Beamter, der den Schließmuskel in der Dienstzeit erfunden hat, quasi im Sitzen.

Er hat das bereits in Ansätzen vorhandene Gewebe mit einer Zeituhr verbunden, die bloß zweimal am Tag für kurze Zeit aufgeht. 

Einmal, um die Verdauung des Vortages abzulassen, und ein andermal, um den Parteienverkehr der Petententen in geordnete Bahnen zu lenken.

Jetzt funktioniert die Menschheit schon seit Jahrmillionen wie geschmiert, was für beide Richtungen rund um den Muskel gilt.

STICHPUNKT 22|65, geschrieben am 18.08. 2022

Geboren 1953. Ist seit Gerichtsverfahren 1987 gerichtlich anerkannter Schriftsteller, bis 2018 als Bibliothekar an der ULB Tirol. Als Konzept-Schriftsteller hält er sich an die These: Ein guter Autor kennt jeden Leser persönlich.

Etwa 50 Bücher, u.a.:
* Tagebuch eines Bibliothekars | Sechs Bände (2016-2019)
* BIP | Buch in Pension | Drei Bände (2020-2022)
* Nie wieder Tirol | Kampf-Roman (2018)
* Antriebsloser Frachter vor Norwegen | Austrian Beat (2021)
* Outlet | Shortstorys zum Überleben (2021)

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