„Des is a Wahnsinn!“

Manchmal gehen selbst im Freibad die Wogen hoch.

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Mittwoch, 12 Uhr.

Am Freibadkiosk hat sich eine Schlange gebildet.

Die Hungrigen und Durstigen stöhnen ob der unerträglichen Hitze.

„Forscher sagen, das ist der kälteste Sommer für viele Jahre“, erklärt ein pubertierender Junge.

„Wo sein denn deine Forscher, ha? I sieg koan“, antwortet ein Mann zwei Positionen dahinter.

„Das haben sie anhand eines Rechenmodells …“, versucht der Junge zu antworten.

„Des is mia Wuascht. Deine Forscher solln lieber amal ausrechnen warum zwei Jolly und oa Portion Pommes acht Euro koschtn“, unterbricht ihn der Mann.

„NEUN EURO!“, schreit eine Dame weiter vorne.

„Ge Leck. Des is da Wahnsinn. Nit, dass im Sommer hoaß is. Des woa imma schon so“, mischt sich eine weitere Person ein.

„Aber … “, versucht der Junge sich zu erklären.

„Nix aber. De Preisexplosion, de isch die wahre Tragödie.“

„Die, die gibt es wegen dem Krieg in der Ukraine“, stottert der Junge sichtlich eingeschüchtert.

„Ge lass mi mit dem Kriag in Ruah. Des kanni langsam a nimma hean“, bekommt er als Antwort.

„Überall isch a nit da Russ Schuld“, erwähnt jemand.

„Eine Portion Pommes bitte“, stammelt der Junge. Und bezahlt die fünf Euro gerne.

„Mach dir nichts draus. Zu viel Sonne trifft auf zu viel kahle Kopfhaut. Das erhitzt die Gemüter. War schon immer so.“

Die Kassiererin zwinkert dem Jungen zu und schenkt ihm ein Jolly.

Das Wassereis schmilzt innerhalb weniger Sekunden. Und tropft zu Boden.

Gott, die Sommerferien haben gerade erst begonnen. Denkt der Junge und stapft zurück zu seinen Eltern.

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

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