An manchen Tagen drängen sich die ewig alten Themen auf trotz Hitze und satter anderer Sommerloch-Themen. Der Hohe Frauentag ehrt die Jungfrau Maria, diese Ausgeburt patriarchaler Sehnsucht: Überall, vom Fernen Osten bis Tirol wird schließlich die leidensfähige, alle Absurditäten, wie etwa eine ungeklärte, ungewollte Schwangerschaft erduldende Frau aufs höchste Podest gestellt, wird dann sogar – leider erst nach schmerzerfülltem Leben und endlichem Tod – in den Himmel hinaufgehoben. Ja, Frauen müssen von den Männern entweder zu Tode beschützt oder zu Tode gemartert werden, um einer solchen Ehre, für immer zu Seiten des allmächtigen Gottesmannes sitzen zu dürfen, teilhaftig zu werden.
Sollten sie schon zu Lebzeiten ein Podest erklimmen wollen, werden sie schnell heruntergeholt und auf ihren angestammten Platz verwiesen. Schließlich sind sie keine Menschen, sondern eben Frauen. Sogar einmal eine Nachsilbe ist schon zu viel der Erwähnung. Am Hohen Frauentag wird in Tirol der ideale Status der Frau alljährlich schön nachgestellt: Die Politikerinnen der rechten Couleur und die Marketenderinnen werden in Dirndln gezwängt, und die Männer marschieren, aufgemaschelt wie bunte Vögel auf der Balz, zum Landesüblichem Empfang und den Ordensverleihungen. Sie treten ungeniert, ganz ohne Schützinnen, in schönster (Ein)Tracht mit ihren hakenkreuzpunzierten Gewehren vor, um vor den anwesenden Frauen, die, wie es sich gehört, am Rand stehen und bewundernd staunen, gewaltvolle Salven in die Luft zu feuern zum Zeichen ihrer ewigwährenden Potenz. Das gehört sich so am Hohen Frauentag. So ehrt man die richtigen Frauen richtig.
Und wenn es dann im „Jahr des Ehrenamts 2026“ einem Ehrenschützenmajor, der die Verdienstmedaille für seine männliche Kameradschaft entgegennimmt, beim Anblick des Tiroler Adlers und dem Klang der Tiroler Landeshymne auch noch vor Ehrfurcht kalt über den Rücken läuft – überläuft auch mich ein kalter Schauer. Was für ein Glück, dass ich nicht aufs hohe Podest hinauf muss. Das überlasse ich gerne den Leidensfähigeren unter meinen Geschlechtsgenossinnen. Da rackere ich mich doch lieber in den Niederungen des Frauenalltags und der Frauenpolitik ab und werde dafür wenigstens sicher nie in den Himmel gehoben. Hier herunten ist das Warten aufs Paradies von Ewigkeit zu Ewigkeit doch immer noch erträglicher. Man ist als „niedere“ Frau bei dieser ewigen Warterei wenigstens nicht allein.