Warum nicht Tiroler Windräder als Zweitwohnsitze?
Ziemliches Erstaunen verursacht dieser Tage eine Notiz der Grünen, wonach es nicht nur die bösen Ausländer sind, die sich Zweitwohnsitze unter den Nagel reißen, sondern durchaus seriöse Einheimische, die auf diese Art heimischen Boden für sich und ihre Kinder zu retten versuchen.
Diese Nachricht ist dermaßen wahr und brisant, dass man die Orte mit den Einheimischen-Zweitwohnsitzen lieber gar nicht erst in den Mund nimmt, denn Aufruhr wäre die Folge.
Aufruhr nämlich zwischen jenen, die irgendwo ein Stück Grund, Boden oder Eigenheim geerbt bekommen haben, und jenen, die mit nackten Füßen in das Land hineingeboren worden sind.
Genau betrachtet haben wir in Tirol unter dem Deckmantel der Demokratie wieder eine Feudalgesellschaft, in der solche mit Grund und Boden andere auf diesem arbeiten lassen.
Kurzdefinition für Feudalherrschaft: Eine politisch-wirtschaftliche Herrschafts- und Gesellschaftsordnung basierend auf persönlicher Treue und Grundbesitz.
Wenn man die Einheitspartei als Feudalherrin nimmt, passt diese Definition genau auf den Zustand Tirols.
In der Praxis wird also Grund- und Boden vererbt, woraus an der Spitze des Glücks der sogenannte Erbhof steht.
Angesichts der prekären Situation am Wohnungsmarkt sollte man sich überlegen, ob man nicht Erbhofsitz statt Zweitwohnung sagen sollte.
Die Erben müssen also ihr Erbe über die Runden bringen, indem sie Scheinwohnsitze und kreative Tourismusmodelle entwickeln, die Nichterben hingegen müssen schauen, wo sie bleiben.
Ein großes Rätsel ist ja ohnehin der ‒ gemessen an der Aussichtslosigkeit des Daseins ‒ geringe Drogenkonsum in Tirol, denn ohne Wohnung bleibt dir letztlich nichts anderes übrig, als zu kiffen.
Um den Druck vom Wohnungsmarkt zu nehmen, träumen manche davon, die Zweitwohnsitze in Echtwohnsitze umzufunktionieren.
Dazu müsste man freilich den quasi Enteigneten ein finanzielles Angebot machen, will man Unruhen und Aufstände vermeiden.
Ein Kompromiss wäre die Errichtung von Wind-Wohn-Parks.
Dazu errichtet man spezielle Windwohntürme, in denen Touristen und Zweitwohnsitzer bequem absteigen können.
Wer einmal in Holland in einer alten Mühle genächtigt hat, weiß, wie kommod es im Innern einer Windmühle zugehen kann.
Wer an dieser Stelle Bedenken wegen des Lärms hat, sei darauf verwiesen, dass der Tourismus durch An- und Abreisen in Luft und auf der Autobahn, durch Afterwork von Betrunkenen, sowie durch den überspitzen Bike-Transit durch ausgewiesene Ruhezonen bereits jetzt mehr Lärm macht als jedes Windrad.
Lösung: Die Touristen sitzen also in den Sockeln der Windräder, in den Zweitwohnsitzen mieten sich die Habenichtse ein, die ihre Mietschuld im nächstbesten Hotel abarbeiten, und das ganze Projekt liefert noch grünen Strom und macht alle glücklich.
Vielleicht gibt es diese Lösung bald und wird von den Grünen vorangetrieben. Sie dürfen halt bloß nicht ausplaudern, wo diese Wohnwindparks sind.
STICHPUNKT 26|36, geschrieben am 05.05. 2026