Das Tier

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Sie kennen ihn alle, den Hund der eigentlich zu niemandem gehört aber hier zu wohnen scheint. Eigentlich ist er sehr liebenswürdig und tut keiner Menschenseele etwas zu Leide. Er ist hin und wieder auch sehr spielfreudig anzutreffen. Er wackelt mit seinem Schwanz und sieht einem mit großen Augen an. Doch es scheint so als würde man ihn zu oft dann antreffen, wenn er gerade sehr gestresst ist. Sieht man ihn so durch die Straßen hetzen, dann stellt man sich oft die Frage warum er stets so gestresst ist. Viele Leute, die ihn nicht kennen, bezeichnen ihn deshalb nur als den fertigen Köter.

Ja, man sieht es ihm in seinem ausgemagerten und müden Gesicht an, dass er sein Leben lang etwas hinterher zu laufen scheint und es aber nicht wirklich bekommen kann. Dabei kennt man ihn schon von klein auf. Ein sehr liebes und wissbegieriges Kerlchen. Als er noch klein war, da war er die unschuldigste Seele die man sich nur vorstellen konnte. Er tollte den ganzen Tag herum,  sah sich die Welt mit großen neugierigen Augen an und sah der Zukunft naiv und unwissentlich entgegen.

Wenn man ihn heute sieht, dann scheint all die Neugier, die Glückseligkeit und die Lebensfreude aus seinen Augen erloschen zu sein.

Doch wie nur konnte das geschehen? Wann hat man angefangen ihm dies alles auszutreiben?

Nun sehen die Leute nicht einmal mehr den Köter in ihm, sondern nur eine weitere vorbeiziehende herrenlose Seele. Die Leute nehmen ihn erst dann wieder war, wenn er in seinem Wahn auf sich aufmerksam macht. Stundenlang scheint er irgendwas zu jagen oder nach zu laufen und es lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob er einfach nur seinen Schwanz versucht zu fangen. Nur dann nehmen ihn die Leute war. Das ist schon traurig!

Wie konnte es geschehen, dass dieses entzückende Kerlchen einmal so ein fertiges Geschöpf werden sollte, immer dem nicht existierenden hinterher laufend.

Sie ihn dir jetzt an!

Wenn er erst einmal wieder so fertig ist, dass er wie von Sinnen versucht seinen eigenen Schwanz zu jagen, sich dabei aber nur im Kreis dreht. Er will den saftigen neuen Knochen, denn der ist immer das Beste. Schließlich bricht er aus Erschöpfung zusammen und bleibt liegen.

Der fertige Hund!

Ein paar haben schon verstand, was ihn so fertig gemacht hat. Irgendwie scheint das der Kreislauf des Lebens zu sein. Ohne ihn würde sich die Erde keinen Zentimeter mehr um sich selbst drehen. Jeder hat sich in diesen Kreislauf ein zu ordnen, denn sonst würde die Welt sich nicht mehr um sich selbst drehen. Geschäfte müssten schließen, Regierungen würden sich auflösen und ihre Länder in Anarchie und Chaos zurück lassen.

Sich dies alles also nicht mehr gefallen zu lassen, das würde er niemals wagen. Zu lange ist es schon her, dass er sich in diesen Kreislauf eingelebt hat und schon zu lange ist es her, dass man sich auf andere Dinge besann. Abgerichtet um den Regeln zu folgen. Hätte man ihn in seiner natürlichen Umgebung gelassen und ihn dort tun und machen lassen. Natürlich hätte man ihm Anstand beibringen müssen und einen Hausverstand setzt es schon voraus! Ja wenn das gegangen wäre dann hätte er nicht eines Tages angefangen irgendwelchen Dingen wahllos hinterher zu laufen. Wäre sicher mit sich selbst im Einklang und würde ein anderes Leben führen.

Da! Sie sieh ihn dir nun an! Wie er da auf der Straße lauft, der fertige Hund!

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