„Das ist unfair!“

Ein berechtigter Wutanfall? Eine neue Ultrakurzgeschichte.

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Maxi liebt Flugzeuge und seinen Kater Fridolin. Seine Schwester Elena hat er auch gern. Den Kater und die Flugzeuge aber lieber.

Samstag ist Familientag. Den hat Papa eingeführt. „Weil er wegen der vielen Arbeit ein schlechtes Gewissen hat“, sagt Mama. Oma und Opa sind froh über diese Erfindung, immerhin bekommen sie ihre Enkelkinder so regelmäßig zu Gesicht. Gerade nach den harten Lockdowns ist das für beide ein wahrer Segen.

Familientage sind deshalb so toll, findet Max, weil alle zusammen sind und viel lachen. Früher haben sie als Familie Ausflüge gemacht, Schlösser und Burgen besucht, Ausstellungen angesehen oder sind Achterbahn gefahren. Dank Corona geht das nicht mehr. Statt Ausflügen wird nun gemeinsam gewandert oder geradelt.

Seit letzter Woche hasst Maxi Familientage. Weil Elena und Maxi beim Distance Learning so brav waren, hatten Oma und Opa eine Überraschung vorbereitet. Anstatt zu radeln, ging es für die ganze Familie in den Buchladen. Maxi und Elena durften sich selber Bücher aussuchen. Im Wert von 100 Euro. So viel Geld konnte Maxi sich nicht einmal vorstellen. Das mussten tausende Bücher sein, dachte er auf dem Weg in die Innenstadt. Am Ende waren es sechs. Zwei davon musste die Dame im Buchladen bestellen. Weil sie nicht lagernd waren, oder so.

Elenas Bücher gab es. Alle sechs. Das machte Maxi so wütend, dass er sich noch in der Buchhandlung auf den Boden schmiss und laut zu schreien begann. Alle sollten von der Ungerechtigkeit erfahren. Oma und Opa hatten gesagt, dass Elena und er gleich viele Bücher bekommen würden. Und nun das. Maxi brüllte so laut und lange, bis ihm schwindlig wurde.

Oma, Opa, Papa und Mama wurden ganz weiß im Gesicht. Mama und Papa vor Scham. Und Oma und Opa, weil sie Angst hatten, Maxi könnte kollabieren. „Ihr habt versprochen, wir kriegen gleich viele Bücher. Das ist unfair!“

Nur Elena, die blöde Kuh, schien von der ganzen Szene unbeeindruckt zu sein. „Steh auf KURZer, ich muss sechs Bücher lesen. Für deine Show habe ich keine Zeit“, blaffte sie Maxi an und stolzierte aus der Buchhandlung.

Blöde Familientage, dachte Maxi und beschloss, den nächsten gemeinsam mit Kater Fridolin zu verbringen.

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Heute mal Autor, mal Sportmanager. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier - "Diskursplatz für Selbstdenker" - aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

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