(c) Helmuth Schönauer

Welcher Schwanz wedelt deinen Hund?

4 Minuten Lesedauer

Textentwurf für einen POPO-Song

Im steirischen Kürbis-Verlag erscheinen in loser Folge Post-Popkultur-Texte, frech abgekürzt als POPO-Literatur bezeichnet. Dabei steht die Nutzung der Popkultur für den Alltag zur Debatte nach dem Motto: Wenn Popkultur Alltag ist, ist seine Nutzung im Alltag Kunst.
Das folgende Poem soll später einmal ein POPO-Song werden, aber es wird wohl nie fertig im Sinne eines klassischen Kunstwerks. Die Materialien sind zudem nicht wissenschaftlich gesichert, was den Lyrics einen didaktisch unrunden Touch gibt. Vielleicht wird es besser, wenn eine Demoversion in einem Startup-Studio im ukrainischen Uschhorod aufgenommen wird. Selbstverständlich muss der Song auch noch ins Englische vergoogelt werden, damit er satt im Mikro sitzen kann. Wie auch immer, selbst die Fragmente sind schon Literatur, daher nicht posten!


Ich brauch einen Hund, ich brauch einen Hund,
ich werde gesund, ich werde gesund! 

Am Morgen, wenn die Sonne aufgeht, werde ich den Hund so richtig scheißen lassen.
Um neun, wenn das Ei auf dem Frühstückstisch steht, werde ich ausrechnen, um wie viel billiger mein Hund ist als ein Kind.
Um elf werde ich die Freunde im Netz aufsuchen, die ich über Nacht gewonnen habe, weil ich jetzt auch einen Hund habe, es sind fünftausend in der Stadt.
Dann zähle ich die Feinde, die mir mein Hund über Nacht gebracht hat, es sind 140 Tausend mindestens.
Zu Mittag, wenn die Sonne am höchsten scheint, nehme ich den Hund von der Leine und jage die ängstlichen Kichererbsen auf die andere Straßenseite, ich lasse den Hund besonders scharf aussehen.
Jetzt am Nachmittag muss ich noch einmal raus, ich schiffe überall dazu, wo mein Hund hingeschifft hat, denn ich bin sein Freund.
Am Abend geile ich mich auf, weil der Hund genauso viel Klima zerstört wie ein Kind, das den Nachbarn auf den Geist geht.
Mein Hund spielt noch ein wenig mit dem Holzspielzeug, dann schläft er ein.

Ich brauch einen Hund, ich brauch einen Hund,
ich werde gesund, ich werde gesund! 


I need a dog, I need a dog
I’ll get well, I’ll get well! 

In the morning, when the sun comes up, I’ll really let the dog shit.
At nine, when the egg is on the breakfast table, I’ll work out how much cheaper my dog is than a child.
At eleven, I’ll go see the friends I made over night because I now have a dog too, there are five thousand in town.
Then I count the enemies my dog brought me overnight, there are at least 140 thousand.
At noon, when the sun is at its highest, I take the dog off the leash and chase the frightened chickpeas across the street, I make the dog look particularly hot.
Now in the afternoon I have to go out again, I ship everywhere my dog has gone, because I’m his friend.
In the evening I get excited because the dog destroys just as much of the climate as a child who pests neighbors.
My dog plays a little with the wooden toy, then he falls asleep. 

I need a dog, I need a dog
I’ll get well, I’ll get well!

STICHPUNKT 21|83, geschrieben am 15.11. 2021

Geboren 1953. Ist seit Gerichtsverfahren 1987 gerichtlich anerkannter Schriftsteller, bis 2018 als Bibliothekar an der ULB Tirol. Als Konzept-Schriftsteller hält er sich an die These: Ein guter Autor kennt jeden Leser persönlich.

Etwa 40 Bücher, u.a.:
* Tagebuch eines Bibliothekars | Sechs Bände (2016-2019)
* BIP | Buch in Pension (2020)
* Nie wieder Tirol | Kampf-Roman (2018)Verniedlichte Höhe | * Das verflossene Jahr ist ein Gedicht mit abgehockten Nistplätzen (2020)

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