(c) M. Mitternöckler

Istanbuls Kinder

Oder Gegensätze. Eine literarische Erinnerung.

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Die Köpfe kahlgeschoren.
Daneben bummeln Männer mit eingepflanztem Haar.
Die Nase schnüffelt im Müllsack herum.
Daneben flanieren Frauen nach Schönheits-OPs.

Die Kleinen sorgen sich nicht drum
was um sie geschieht,
wer gafft oder wer
wegsieht.

Am Boden ausgebreitet,
auseinandergepflückt,
Knochen, Schmutz, Brösel.
Und der Feinstaub drückt.

Die Hände schaufeln in junge Münder,
ein trockener Rachen,
fahle Haut und
dreckige Sachen.

Die besten Plätze
sind bei den Touristen.
Für diese eine andre Welt,
wie früher die der Puppenkisten.

Die Kinder der türkischen Bosporus-Stadt,
teilen barfuß das Kleingeld auf
und werden verjagt.

Die Muslima aus Dubai shoppt im langen Gewand.
Eine Amerikanerin holt ihr Influencer-Kleid aus dem Schrank.
Aus dem Sportwagen blickt ein Jüngling heraus.
Der Bazar entfaltet den uralten Rausch.

Im Touri-Viertel kann man Futter für süße Straßenkatzen kaufen.
Manch Kleinkind bettelt,
wenn der Cop kommt, müssen sie laufen.


Straßenkatzen gibt es in Istanbul viele, hier am Arasta Bazaar nahe der Hagia Sofia. Ab und zu sieht man Straßenhunde, manchmal auch Kinder, die sich – oft barfuß – ihre Nahrung aus dem Müll klauben.

Geboren 2001 in Innsbruck. Freie Journalistin mit Liebe zu Reportagen. Bis vor Kurzem fixer Bestandteil der Tiroler Redaktion einer österreichischen Tageszeitung. Mitglied im Turmbund, erste Lesung 2021. Kommt ursprünglich aus dem Schauspielbereich. Gerade neugierig in Asien unterwegs.

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