Goethe war Dichter

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Die Adventszeit ist eine der dichtesten Jahreszeiten. Da gibt es etwa einen sehr dichten Terminkalender. Mitte November wird unterschwellig eine umfangreiche Checkliste innerhalb der Bevölkerung verteilt, die zu übermäßiger Betriebsamkeit führt. So gilt es verschiedene Aufgaben zu erledigen: Geschenke besorgen, alle Freunde und Bekannten noch einmal treffen (besser vor Weihnachten, sonst …), Vorarbeit am Arbeitsplatz leisten, festliche Menüs planen etc.
Da der Mensch höchst unindividuell, für alle diese Aufgaben immer die gleichen Plätze aufsucht, wird es dort dann auch sehr dicht. Zu nennen ist hier (es heißt ja Weihnachtsgeschäft) vor allem der Einzelhandel. Während die normale „Mensch pro Kubikmeter Dichte“ in der Weihnachtsshopperei noch das „Masse zu Volumen Verhältnis“ von Lebkuchen hat, wird es an den langen Shoppingsamstagen in Richtung  Stollwerck verschoben.
Ebenfalls für Verdichtung anfällig in der stillen Jahreszeit ist die Gastronomie. Speziell die hohe Zahl an Weihnachtsfeiern führt zu vollen Lokalen und, der damit einhergehende hastige Genuss von alkoholischen Getränken, zu einer verdichteten Leber. Der Rausch der Gäste sorgt, sozusagen als Nebeneffekt, unter den Servicemitarbeitern dann oft für eine recht dichte Stimmung.
Da offenbar alle Ressourcen am Limit schrammen, braucht es zusätzliche Kapazitäten. Hierfür wurden die Weihnachts-, Christkindl-, oder Adventsmärkte erfunden. Ein Ort, der weihnachtliche und besinnliche Stimmung garantiert. Diese Stimmung wird vor allem durch das beeindruckende Potpourri an Gerüchen ermöglicht. Da mir immer wieder auffiel, dass quasi jeder Text über einen Weihnachtsmarkt mit den Zeilen: „es duftet wieder wunderbar nach“ beginnt, habe ich mir eine kleine Googlrecherche erlaubt. Und tatsächlich, habe ich mit dem Suchbegriffen: „Weihnachtsmarkt es duftet nach“ innerhalb der ersten vier Ergebnisseiten 16 verschiedene Gerüche gefunden.
Die wunderbaren Düfte reichen von basalen Aromen wie Nelke, Zimt, Vanille, Kardamom und Honig über das geruchliche Paraffinduo bestehend aus Kerzen und Seifen, bis zu handfesten kulinarischen Highlights wie Maroni, Keksen, Lebkuchen, gebrannte Mandeln, frisch gebackene Waffeln, knackige Bratwurst, Raclettekäse, Punsch und Glühwein. Während der Raclettekäse Mehrfachnennungen zu verzeichnen hatte (allerdings nur in der Schweiz), frage ich mich immer noch, wie man den Unterschied zwischen einer knackigen und einer nicht so knackigen Bratwurst erriechen kann!
Wie dem auch sei, ich war jetzt wirklich neugierig, bin extra zum Innsbrucker Chriskindlmarkt getigert und wollte wie einst Grenouille im Parfum, die Vielfalt der Gerüche kennenlernen. Mag es am starken Innsbrucker Föhn gelegen haben, oder an meiner schlechten Nase, der einzige Geruch, der mich wirklich olfaktorisch beeindruckte, war das Frittierfett des Kiachlstandes (eine Tiroler Spezialität). Ob sich das gelohnt hat? Und ob, es riecht so wunderbar wie jedes Jahr.


Boris Sebastian Schön hat noch kein Buch geschrieben, welches hier beworben werden könnte. Aber er geht mit offenen Augen und Ohren durch die Welt und ist immerhin Mitgründer des ALPENFEUILLETON. Die “Lohnt sich das”-Kolumnen sind seine ersten AFEU-Veröffentlichungen.

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