Traumhaft: bestes restaurant weit und breit!

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(c) Chef’s Gourmet FoodStateofIsrael, flickr.com
Ich würde mich weder als absoluter Facebook-Aficionado, noch als Facebook-Gegner bezeichnen. Irgendwie ist es ganz praktisch und irgendwie informativ und irgendwie ist es mir wurst! Trotzdem ertappe ich mich immer wieder dabei – einfach so zum Zeitvertreib – mich durch Profile, Gruppen und die eine oder andere Timeline zu klicken. Am Interessantesten innerhalb der uninteressanten Facebookdinge sind meines Erachtens die Gruppen, die von abertausenden Mitgliedern bevölkert vor sich hin dynamisieren. Zu meinen Lieblingen gehört dabei eine, die sich mit der Gastronomie in einem definierten geographischen Raum beschäftigt und hier nicht namentlich erwähnt werden soll.
Es sind weniger die tollen Tipps (Schnitzel ist genial) oder die harschen Kritiken (Essen dort so grausig), sondern die sprachlichen Phänomene und die Unterschiede in der Auffassung, was gefragt, gesagt oder behauptet wurde, die mich reizen. Ein hervorstechender Aspekt ist etwa die Intensität des Ausdrucks. Den Mittelweg der Tiroler Kulinarik beschreitet hier niemand. Die angepriesenen Orte und Gerichte befinden sich allesamt in einer gastronomischen Oberoberoberliga und werden als „traumhaft“, „fantastisch“ oder „zum Reinlegen“ bezeichnet. Dass es sich dabei meist um Grillplatten, Knödelgerichte oder Burgerberge handelt, soll nicht unerwähnt bleiben. Auch fällt generell auf, dass riesen Portionen zu kleinen Preisen hohe Beliebtheit widerfährt. Grund dafür dürfte die vorherrschende Nahrungsmittelknappheit in unseren Breiten sein. Die immer wieder gestellte Frage nach „wo gibt’s es beste Schnitzel wo gibt“, wird immer wieder aufs Neue mit einer Liste von scheinbar wahllos genannten Lokalen, die allesamt Schnitzel auf der Karte haben, beantwortet. Auch präsentieren Gruppenmitglieder von ihnen entdeckte Skandale, wie den kleinsten Kaaspressknödel der Welt.
Obwohl mir die Orthografie im Großen und Ganzen eher unwichtig erscheint, ist sie in dieser Gruppe ein ganz besonderes Zuckerl. Speziell die Groß-, und Kleinschreibung (Hammer geschmack) oft kombiniert mit der Getrennt-, und Zusammenschreibung (Fleisch Butter weich) bereiten mir viel Freude. Die Zeichensetzung ist oft so kreativ, dass sie an moderne Lyrik erinnert (Knödel mit Kraut 2 Stück um €7,50 geschmacklich okay, Bedienung sehr! Freundlich, Aussicht wunderschön!) und könnte im passenden Rahmen durchaus einen Verleger finden. Ein besonderes Bonmot der letzten Zeit war eine emotionale Diskussion über ein italienisches Restaurant, die ausbrach, weil eines der Gruppenmitglieder behauptete dort einen Zigarettenstummel im Essen gefunden zu haben, der sich am nächsten Tag dann als Pilz,- und nicht als Glimmstängel herausstellte. Die Parallele zu der berühmten Szene in „Brust oder Keule“ bei der Charles Duchemin in einem Landgasthaus die Küche inspiziert, kam mir dabei schnell in den Sinn und Louis de Funès lohnt sich wirklich immer.

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