Wen die Erzählungen von Collien Fernandes nicht wütend machen, der hat schlicht kein Mitgefühl, keine Empathie oder ist ein Stein.
Wen Sätze wie „Männer sind der größte Feind der Frau“ nicht betroffen machen, der ist vermutlich schon ein Stück weiter als ich.
Ja, der Satz tut weh. Er hat auch mich lange verletzt.
Ich identifiziere mich als Mann. Und ja, es stimmt: Nicht alle Männer sind so.
Aber das ist nur ein ganz kleiner Teil der Wahrheit.
Und das ist mir erst in den letzten Tagen so richtig bewusst geworden.
Ich kann gut nachvollziehen, dass solche Aussagen zunächst schmerzen, irritieren und für empörte Reaktionen sorgen.
Denn auf der Ebene der personellen Gewalt – also dort, wo ein Mensch einem anderen direkt Schaden zufügt, körperlich oder emotional – gibt es Männer, die sich so etwas nicht einmal vorstellen können.
Aber das befreit uns nicht von der Verantwortung gegen strukturelle Gewalt vorzugehen.
Das ist die Gewalt, die unsichtbar wirkt, durch gesellschaftliche und institutionelle Strukturen.
Sie zeigt sich, wenn Gruppen durch ungleiche Chancen, Armut oder Diskriminierung benachteiligt werden. Wenn es keine klar benennbare Täterperson gibt aber sehr wohl Opfer.
Wenn in den Köpfen Bilder so fest sitzen, dass Männer auch 2026 noch glauben, andere „besitzen“ zu können, sie abwerten, geringschätzen, bedrohen oder Gewalt verharmlosen. Oder Täter schützen.
Im Umgang damit gibt es nur eine richtige Antwort:
Aufstehen.
Dagegendenken.
Dagegenreden.
Dagegentun.
Dass Frauen im Jahr 2026 noch immer Angst vor Männern haben müssen, ist schlicht Gewalt. Punkt.
Ja, Strukturen, die über Jahrhunderte gewachsen sind, lassen sich nicht von heute auf morgen aufbrechen. Es braucht Zeit. Und Kraft.
Am allerbesten fängt man bei sich selbst an.
Wut und Betroffenheit können daabei helfen.
Genauso wie zu verstehen, dass all das nicht das Problem „der Frauen“ ist, sondern unseres.
Mir ist das bewusst geworden. War auch höchste Zeit.