„Am liebsten würde ich sie mit versenken“

Zwischen Hass und Mitgefühl. Eine neue Ultra-Kurzgeschichte.

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Paul ist Mitte vierzig und hat einen guten Job bei einer Versicherung. Wäre die Scheidung vor einem Jahr nicht gewesen, wäre er ein durch und durch glücklicher Mensch.

Guter Verdienst. Regelmäßig Urlaub. Eine fast abbezahlte, kleine Wohnung. Mitglied bei zwei Vereinen. Ein stabiler Freundeskreis.

Paul liebt die Natur und geht gerne Angeln. Auch in der Corona-Zeit hat er dieses Hobby nicht aufgegeben und viele Stunden am See verbracht. Gemeinsam mit seinen beiden besten Freunden Alexander und Matthias.

Heute ist Paul alleine rausgefahren. Alexander wurde gestern verhaftet. Häusliche Gewalt!

Alex soll Marie die Nase und zwei Rippen gebrochen haben.

Was für ein Scheißtag, denkt Paul und blickt auf den noch leeren Eimer neben sich.

Sein Handy klingelt. Wieder ist es die Dame von der Lokalpresse.

Meine dumme Ex hat Marie angestachelt Paul zu verpfeifen. Und natürlich springen die Drecksmedien darauf auf. Hilflose Frau. Gewalttätiger Mann. Sowas bringt Reichweite.

Paul nimmt das Handy und schmeißt es in den See.

Er fühlt sich alleine. Nur er. Das Boot. Und seine Wut auf die Welt.

Am liebsten würde ich meine Ex mit versenken, denkt er und trinkt einen Schluck Bier.

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Heute mal Autor, mal Sportmanager. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier - "Diskursplatz für Selbstdenker" - aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

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