Urlaub in Coronien

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Wer geglaubt hat, die letzten Monate seien eine Challenge gewesen, hat die Rechnung ohne den Sommer gemacht. Ausgangssperre, Kontaktverbot (illegal!) und Maskenpflicht stecken uns noch in den Knochen, da klopft der Sommer an die Tür. Das Ding könnte heiß werden. Wieder einmal. Zeit für einige Urlaubsgedanken.

Eigentlich hatte ich mich ja schon damit abgefunden, dass Sonne, Strand und Meer heuer ins Wasser fallen. Wer nichts bucht, erspart sich den Virusfluch. Das Wirken des segensreichen Katzlers und der Lockerer-Gang hat dann jedoch – pünktlich zur Buchungszeit – das Reisefieber angeheizt. „Die Lockerungen sind ein wichtiger Schritt hin zu mehr Normalität,“ verkündete Ende Juni die türkise Tourismusministerin Köstinger in strahlendem Zweck-Optimismus. Es war die Botschaft, die man hören wollte und auch, zugegeben naiv, gerne glaubte.

Wer lange eingesperrt war, hat eben ein höheres Bedürfnis nach Flucht. Und Abstand. Aber seien wir doch ehrlich: Der politische Appell zum Heimaturlaub ist ein Unfug und in Wahrheit nichts anderes als der manipulative Versuch, die darniederliegende Tourismuswirtschaft vor dem Sommerloch zu retten, in das sie das „Kitzloch“ direkt hineinkatapultiert hat. Aber ist es auch klug, ich meine aus virologischer Sicht, ein ganzes Land im eigenen Land sozusagen in Urlaubsquarantäne zu schicken und dem Risiko hemmungsloser Menschenansammlungen – Stichwort Kleinwalsertal – auszusetzen?

Für die urlaubsreifen Massen sollte es eine praktikablere Lösung geben. Nachdem ja auch der Zugang zu Freizeitmöglichkeiten und Kultur hierzulande etwas eingeschränkt ist, wäre es ehrlicher, die Leute ziehen zu lassen. Ohne Gewissensbisse. Am Lido von Jesolo, am FKK-Strand von Mali Losinj oder am Campingplatz in Lazise ist man ohnehin am liebsten unter sich. Und hält generell und aus Prinzip Abstand zu seinen Nachbarn.

Spielen wir es durch: Die Anreise im PKW und somit im privaten Faradayschen Käfig  – vorausgesetzt man wird nicht vom nächsten Grenzwachbeamten angehustet – völlig safe. Die Unterkunft im Mobile Home Park: steril bis zum Abwinken. Deutsche? Holländer? Fahren, wenn überhaupt, heuer nicht in den Süden, sondern nach Österreich. So what’s wrong, liebe Bundesregierung?

Die üblichen Werbebilder vom Bundeskatzler beim Almwandern, dem Vizekatzler mit aufgekrempelten Ärmeln beim Steirer ums Eck oder dem erinnerungsschwächelnden Finanzblümchen beim Cocktailschlürfen am Wörthersee werden uns so und anders vor die Nase gesetzt werden. Dieses rot-weiss-rote All-inclusive-Package reicht völlig. Solange es also keine eindeutigen Reisewarnungen oder Grenzschließungen gibt, sollte man den Menschen ihren eigenen Urlaubsspass gönnen.

Wem virusbedingt zu heiß ist, wird sich ohnehin nicht davon abhalten lassen, laue Sommerabende auf Balkonien zu verbingen. Dazu braucht es keine politische Extraaufforderung. Die Österreicherinnen und Österreicher sind mündiger, als Kurz und Co für möglich halten.

In diesem Sinn: bleibt gesund und macht es Euch fein. Egal, wo.

Der Stadtkater erzählt garantiert keine Schnurren, sondern Geschichten, die das Leben schreibt. Tragisch, komisch, hintergründig, tiefgehend. Er ist: Der Wahrheit auf der Spur.

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