Nieder mit dem schlechten Gewissen!

Es ist Sommer. Höchste Zeit für Urlaub.

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Ein Kollege nach dem anderen verabschiedet sich in die wohlverdiente Ruhepause. Begleitet von der ein oder anderen Schmähung, deren Kern nichts anderes ist als Neid. Doch nicht nur die Zurückbleibenden leiden unter der Situation, geleitet von den eigenen Emotionen. Auch die „Weggeher“ kommen in ein inneres Ungleichgewicht und versuchen auf dem Weg nach draußen zu beschwichtigen. Im Notfall sei man erreichbar. Die Mails würden einmal am Tag gecheckt. Neben dem Taschenbuch sei das Handy der zweite stetige Begleiter. Alles gut?

Nein! Nichts ist gut. Urlaub ist wichtig. Probleme, die im Alltag schier unendlich groß erscheinen, werden mit etwas Abstand plötzlich verschwindend klein. Freizeit ist wichtig! Die Perspektive ändert sich und damit auch die Prioritäten. Davon profitiert die eigene psychische Verfassung und letztlich auch die Arbeit. Ausgeglichene Arbeitskollegen sind bessere Arbeitskollegen – und Mitarbeiter! Hören wir also bitte endlich auf, mit einem schlechten Gewissen im Gepäck in Richtung Meer zu düsen.

Ja, wir Leben in einer Gesellschaft in der der äußere Status von Bedeutung ist. Doch er ist nicht alles. Urlaub ist eine wunderbare Möglichkeit, um sich dessen bewusst zu werden und zu üben, üben, üben. Unter der gleißenden Sonne des Südens, lässt es sich besonders gut erinnern. Und zwar daran, dass wir Menschen sind und nicht unsere Arbeit. Ob Rechtsanwalt, Arzt, Schriftsteller, Fußballer Krankenpfleger oder Kellner. Die Arbeit, die wir verrichten ist ein Teil unseres Lebens, aber sie ist nicht unser Leben. Wir verrichten sie, weil wir im Austausch dafür finanzielle Mittel erhalten und weil Menschen ohne (Lebens-)Aufgabe aus der Balance kommen würden.

Aber bitte. Hören wir auf, uns selbst auf unseren Job zu reduzieren. Und zwar so sehr, dass wir mit schlechtem Gewissen in den Urlaub fahren. Davon hat keiner etwas. Außer die Beachbars in Jesolo oder Bibione, wenn haufenweise Touris ihre unguten Gefühle in Cocktails ertränken.

Hinweis des Autors: Ich habe wirklich versucht zu Gendern. Zwei Mal wusste ich allerdings nicht mehr, wie ich den Satz weiterführen oder gar vollenden soll. Das tut mir tatsächlich leid. Frauen dürfen und sollen sich von dem Text ebenso angesprochen fühlen, auch wenn ich das erst jetzt, hier ganz am Ende erwähne. Entschuldigun!

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Heute mal Autor, mal Sportmanager. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier - "Diskursplatz für Selbstdenker" - aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

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