KI- und Parteienlogik

11. Mai 2026
1 Minute Lesezeit
Foto von Steve A Johnson auf Unsplash

Kein Wunder, wenn die Demokratie weltweit erodiert. Denn sie funktioniert vielerorts nur noch nach denselben Algorithmen wie die Google-KI: eigene Marktmacht ausbauen, in Blasen das Immergleiche wiederholen, bis es „alternativlos“ wird, nicht die besten neuen Ergebnisse liefern, nicht die besten Köpfe suchen, sondern den glattgebügelten Durchschnitt dessen, was sich bisher über die Jahre im Netz angesammelt hat, auswerfen — also die weitestverbreitete Idee, die immergleichen Namen, immergleiche Ideen.

Eigentlich haben den Suchalgorithmus die Parteien lange vor den Informatikern für ihre Postenbestzungen erfunden. Auch die Idee der Bots: So fingierten bei Ausschreibungen lange schon zum Schein ausgelagerte, mit diversen Decknamen versehene, jedoch mit alten Vertrauten und Parteigängern bestückte Vereine und Kommissionen, diverse selbstgemachte „unabhängige“ Institutionen und dezent abhängig gemachte Medien. Die Blase bestand da wie dort also immer– in sogenannten Freundeskreisen, Parteiakademien, Bünden und Kammern, die nur dazu dienen, nichts und niemand Fremdes ins feste Machtgefüge eindringen zu lassen. Die politische Posten- und Pöstchenakkumulation funktioniert nach demselben Suchalgorithmus wie bei Google, der alles aufsaugt, was einmal irgendwo im eigenen Umfeld aufgetaucht ist. So behaupten sich in den Entscheidungsgremien stets die gleichen uralten „Hoffnungsträger“, auch wenn sie inzwischen zu Ladenhütern mutiert und als multifunktionale Parteibonzen grau geworden sind. Man braucht nur zu schauen, wer immer in gleicher Formation am Ersten Mai auf den Bühnen steht. Kein Wunder, dass den Leuten allüberall die Parteien verleiden und sie dann jedes, auch das dümmste neue Gesicht wählen, jedem noch so blöden, nur einfach anderen Slogan nachlaufen. So kommen dann eben jene immer gleichen, die sich allein im Auftreten (schlechtes Benehmen, halluzinierender Weltsicht, schräge Ideen) von den anderen Oldies abheben, zum Zug: die Trumps, die Farages und Kickls.

Und wenn dann etwas schiefgeht, weil es gar nicht anders sein kann bei dem fehlerhaften Auswahlalgorithmus, ist dennoch keiner verantwortlich. Genau wie bei der Google-Suchmaschine.

Testfrage an die Google-KI: Nennen den besten neuen Klubobmann für die ÖVP.

Die Antwort:

Stand Mai 2026 wird die Position des „besten“ Klubobmanns für die ÖVP aktuell durch die Neubesetzung mit Ernst Gödl definiert. Er wurde am 5. Mai 2026 einstimmig zum Nachfolger von August Wöginger gewählt.

Unter den Auswahlkriterien für das Amt nennt die KI:

  • Einstimmige Wahl
    Erfahrung
    Strategische Ausrichtung: In ersten Statements betont er, dass die ÖVP wieder „klare Kanten“ zeigen müsse.

Na wusch! Das ist jetzt ein wirklicher Neuanfang! Besonders was die inhaltliche Ausrichtung anlangt! Erstaunlich ist bloß, dass die KI selbstkritischer als die Parteigremien das Attribut „bester“ in Anführungszeichen setzt. Bei leichter Abänderung der Fragestellung, wird uns alternativ dann auch noch Karl Nehammer — allerdings als „aktueller Parteiobmann“ — vorgeschlagen. Zumindest hat der Algorithmus, im Gegensatz zur ÖVP, also noch Auswahl in petto!

Geboren 1954 in Lustenau. Studium der Anglistik und Germanistik in Innsbruck Innsbruck. Lebt in Sistrans. Inzwischen pensionierte Erwachsenenbildnerin. Tätig in der Flüchtlingsbetreuung. Mitglied bei der Grazer Autorinnen und Autorenversammlung Tirol, der IG Autorinnen Autoren Tirol und beim Vorarlberger AutorInnenverband. Bisher 13 Buchveröffentlichungen.

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