… dann hilft nur noch Streik. So-li-da-ri-tät!
Also werden hoffentlich am 30. Mai alle Tiroler und Tirolerinnen, die Beine haben, die Brenner Autobahn lahmlegen. Am 27. Juni alle geschlossen auf der Fernpassroute aufmarschieren. Es müssen so viele kommen, dass die Blasmusik bis nach Berlin und die Schützensalven bis nach Wien und Rom schallen. Andreas Hofer, David und Goliath werden zitiert werden, Schnaps und Speck wird die Protestierenden laben. Okay, das muss halt auch sein, wenn Tirol den Aufstand probt. Alle sollen kommen: in Lederhose, Dirndl, Anzug oder Jeans. Alle betrifft es gleichermaßen. Motto wie immer: Mander s´isch Zeit!
Aber es stehen uns noch ganz andere Aufstände bevor, für welche die Zeit überreif ist. Über mehr als 50 Prozent der Bevölkerung wird nämlich täglich rücksichtslos drübergefahren. Die Hälfte der Bürgerschaft kommt nämlich täglich – auf Haupt- wie auch abgelegensten Routen — unter die Räder.
Sobald der Futtertrog sich leert, gibt es regelmäßig für die – eh immer in allem eingebremsten — Frauen kein Vorankommen mehr. Manosphere übernimmt wieder das Lenkrad. Wen betreffen denn die staatlichen Ausgabenkürzungen am stärksten? Wer soll mehr und länger arbeiten für weniger Geld? Wer soll nebenbei noch bis Mitternacht zurück an den Herd? Wer soll wieder mehr Kinder kriegen und die dann auch noch besser als bisher erziehen? Muss frau sich das wirklich ewig gefallen lassen? Reißt nicht endlich der ausgeleierte Geduldsfaden?
Unsere Regierung verlangt von uns Frauen alles und gibt uns – nichts. Nicht einmal eine routinemäßige Prüfung und Adaptierung von Gesetzesvorhaben, wenn dabei die weibliche Hälfte der Bevölkerung systematisch benachteiligt wird. Bei Arbeitslosigkeit nicht einmal mehr die Zuverdienstmöglichkeit als Putzfrau von 4 bis 6h früh oder abends bis 22h. Stattdessen ganztägige Putzarbeit oder gar nichts. Mini-Pension nach 40 arbeitsreichen und arbeitslosen Jahren vielleicht irgendwann mit siebzig ohne ordentliche Anrechnung der geleisteten Care-Arbeit. Aber bitte trotzdem mehr Kinder kriegen, um bitte die Pensionen (von wem?) zu sichern. Sogar Asylwerberinnen sollen jetzt – aus Integrationsgründen und um dem Staat Steuern einzubringen – bitte schnellstens arbeiten gehen, obwohl die weit und breit keine passenden Kurse, keine Berufsaussichten und weder Oma noch Opa noch einen Gratisbetreuungsplatz für ihre Kleinkinder haben. Frauen sollen vermehrt in die technischen Berufe und in die Bauwirtschaft – obwohl dort 70% wegen für sie unerträglichem Arbeitsklima bald wieder aussteigen. In Führungspositionen schaffen wir nicht einmal die von der EU vorgegebene Frauenquote von einem Drittel (nicht etwa Halbe-halbe!), weil die Männer unter den überwiegend weiblichen Uniabsolventen einfach keine passenden Frauen finden können! Im Parlament, in den Parteien, in den wirklich bestimmenden Organisationen … Fehlanzeige!
Kurzum: Wir Frauen geraten wieder einmal (oder immer noch) total und umfassend unter die Räder alther(ren)gebrachter Strukturen, obwohl wir uns seit mindestens drei Generationen wie die Blöden dafür abrackern. Es ist daher jetzt wirklich Zeit für einen Frauenstreik. Wie damals in Island. Einfach mal ein, zwei Wochentage nichts tun. Weder daheim noch am Arbeitsplatz. Nötigenfalls nehmen eben alle Frauen am gleichen Tag Urlaub, melden sich krank, wenn´s anders nicht geht. Die Arbeitgeber können sowieso nicht alle entlassen, sonst haben sie niemand mehr. Und die Männer werden wohl oder übel mitstreiken müssen, um die Kinder gesetzeskonform zu betreuen oder weil kein Geschäft offen hat und keine Tram fährt. Unfreiwillig oder, noch besser, freiwillig werden sie sich dem Streik anschließen.
Passende Tage dafür gäbe es genug. Wie wär´s mit dem Equal Pay Day? So wie einst der Erste Mai für die Arbeiterschaft, nun einen Tag der Frau einführen. Dafür geben wir den Muttertag, der sowieso bloß ein für Frauen oberstressig verplanter Sonntag ist, geschenkt. Nötigenfalls, bei weiterhin flacher Lernkurve in Politik und Wirtschaft, wird der Frauenstreik monatlich wiederholt. Wie schön wäre das: Ein Tag absolutes Nichtstun! Ein Tag der Arbeitsfreiheit. Ein Tag, an dem alles stillsteht. Wirklich alles. Und alle endlich spüren, dass es da auch noch eine zweite Hälfte der Menschheit gibt.
Weiberleit,
s´isch höchste Zeit!