Ja, wenn wir das vor 10 Jahren schon gewusst hätten!
Da haben wir uns jahrelang ehrenamtlich mit den uns anvertrauten geflüchteten Menschen abgemüht, ihnen Hochdeutsch beizubringen, in der irrigen Meinung, dass sie sich dann überall im Land verständigen, leben und arbeiten und mit Menschen sprechen könnten! Haben aber dabei übersehen, was Ministerin Bauer, ehemals Plakolm, nun weitsichtig erkannt hat: Die Integration von Asylwerbern lässt sich ganz einfach an ihren Dialektkenntnissen festmachen. Das wird den Sprachunterricht nun gänzlich umkrempeln und für die Beamten vom BFA die Arbeit in Zukunft enorm erleichtern. Schließlich muss man nun nicht mehr überprüfen, ob der Asylwerber aus dem Osten wirklich Christ und als solcher verfolgt ist, oder ob nicht eventuell die Pfarrerin, die ihn zum Verfahren begleitet, lügt. Der Beamte braucht auch keine geografischen Kenntnisse von entlegenen Ortschaften und dort möglicherweise stattgefundenen Massakern mehr zu besitzen, er muss die unendlich vielen Schreiben von Bürgern nicht mehr lesen, in denen diese behaupten, den „illegal Eingereisten“ seit Jahren zu kennen und seinen Aufenthalt hierzulande zu befürworten beziehungsweise ihm sogar einen Job zuzusagen. Auch die bisher meist vergeblichen Schreiben von Bürgermeistern und Altenheimbetreibern, LehrerInnen, Caritas- und Rotkreuzverantwortlichen wie auch Feuerwehrkommandanten kann man sich sparen. Der Beamte braucht die Fotodokumentation der afghanischen Muslimin, wie sie im Badeanzug mit offenen Haaren im Schwimmbad plantscht, oder des Syrers, der beim Dorffest hinter einer Flasche Limo (Bier wäre natürlich besser!) mit den Einheimischen schunkelt, nicht mehr auf Spuren von Photoshop zu untersuchen. Ebensowenig die ungustiösen Bilder der Narben auf seinem Rücken. – Das alles war für die Zuständigen bisher ja extrem mühsam und seelisch belastend, sodass eigentlich bei jedem Verfahren der Einfachheit halber stets herauskam: „Keine Integrationsbemühungen. Antrag abgelehnt.“ Sogar das Schreiben war meist wortwörtlich das gleiche. Vereinzelt wurde dabei sogar bei schnellem Copy and Paste vergessen, „der Antragsteller“ durch „die Antragstellerin“ mit nachfolgend passenden Personalpronomen zu ersetzen. * Kurzum: Das Anerkennungsverfahren war für die Beamten viel zu kompliziert.
Doch nun hat unsere Integrationsministerin die Sache vereinfacht: in Zukunft wird die Integrationsbemühung der Asylwerbenden kurzerhand dadurch überprüft, ob sie – je nach Wohnort — fähig sind, ein Liftticket in den Tiroler Bergen „oamol aui und oui“ zu kaufen, ob sie im Vorarlberger Rheintal, je nach Gemeinde und Gegenüber, mit wahlweise „Grüezi“, „Heile“ oder „Hoi“ richtig grüßen können und ob sie in Wien bei fremdenfeindlichen Angriffen spontan ein „Na heasst!“ mit der richtigen Intonation herausbringen.
Allerdings werden sich dafür in Hinkunft die Richter linguistische Spezialkenntnisse oder Sprachgutachter zuziehen müssen, um zu erkennen, ob der jeweilige Dialekt nicht womöglich nur aus dem Internet, gar von einer KI generiert, falsch erlernt wurde. Ein Katalog von Fangfragen wird zu jeder Region zu erstellen sein, so wie man bisher fernöstliche Christen, die bei der Evangelischen Kirche angedockt hatten, nach katholischen Heiligen ausfragte und als höchsten Feiertag den Karfreitag als falsche Antwort wertete. Also doch nicht so einfach.
Aber vielleicht genügt in Zukunft, der Einfachheit halber, auch schon — wie derzeit bei den hier aufgewachsenen Joseph und Victoria Oshakuade — eine freundlich tirolerische, bei anderen eine raunzend wienerische Andeutung von Dialekt als Beweis von Integration und Dableibensberechtigung, um endlich die bürokratieverhärteten Herzen und Hirne der Obrigkeit zu erweichen?
* Sorry, keine Satire. Nicht erfunden, sondern erlebt.