(c) Helmuth Schönauer

Schnitzelgold

3 Minuten Lesedauer

Kaum hat der österreichische Außenminister A-Mock 1989 ein Loch in den ungarischen Zaun geschnitten und somit im Alleingang den Eisernen Vorhang zu Fall gebracht, strömen schon Österreicher nach Ungarn und bestellen Schnitzel, was die Pfanne hergibt. Nachdem sie sich vollgefressen haben, lassen sie sich alle Schnitzel im Dorf einpacken, weil sie so günstig sind. Ein paar kaufen auch gleich ein pannonisches Haus mit Garten dazu, weil es gerade so billig hergeht. 

Dieses Bild schmerzt die EU-Landsleute später noch jahrzehntelang, weil es zeigt, dass der Durchschnitts-Österreicher für ein Schnitzel zum Schwein wird. 

Wenn du die Seele Österreichs verstehen willst, musst du an ein Schnitzel denken, nicht umsonst liegt auf Google-Map Österreich wie ein Giga-Schnitzel in der Landkarte! 

Die Politik weiß längst, dass sie zum Schnitzel greifen muss, wenn sie bei den Wählern punkten will. So suchen die Protagonisten aller Couleurs in seuchenfreien Zeiten gerne Zelte auf, in denen Schnitzel serviert werden. Das Schweineschnitzel hat dabei den Vorteil, dass es sogleich die guten von den schlechten Wählern trennt, denn die „schlechten“ wollen partout kein Schweinefleisch essen. 

Als es wegen der Ausgangssperre beinahe zu Unruhen kommt, wird in Wien sofort ein Schnitzelbon ausgeteilt, den man zeitnah beim Wirten in Schnitzelgold umtauschen kann. Freilich ist bei diesem Vorgang das Getränk nicht gratis, und an manchen Tagen ist ein Heilgetränk notwendiger als ein Bissen Fleisch. 

Als es bei Ausrufung des Massentests zu einer generellen Verweigerung desselben kommt, liegt das wohl daran, dass es keinen Bon für das panierte Goldstück gibt. Außerdem sagen manche, den Massentest hätten ja schon die Schweine in ihren Massenställen absolviert. 

Die anstehende Impfkampagne ruckelt noch ein wenig, wie der Fachausdruck dafür heißt. Während Nachbarländer mit Drohung und Zwangsaufklärung hausieren gehen, wird es in Österreich wohl wieder den panierten goldenen Mittelweg geben. Impfung für Schnitzarl! Die Ösis werden die Impfbuden stürmen. 

Nebenbei bemerkt, die häufigsten Nebenwirkungen bei einer Impfung sind:
– Impfling vergisst nach der Impfung den Mantel
– Nadel bricht noch vor der Impfung ab
– Arzt kann sich nicht entscheiden, welcher Oberarm freigemacht werden soll
– Impfstoff ist falsch adressiert
– Q Code ist verschmiert
-Impfling hat die e-card vergessen 

Achtung: Dieser Text ist Literatur und kann daher nicht be-postet werden.

STICHPUNKT 21|05, geschrieben am 10.01. 2021

Geboren 1953. Ist seit Gerichtsverfahren 1987 gerichtlich anerkannter Schriftsteller, bis 2018 als Bibliothekar an der ULB Tirol. Als Konzept-Schriftsteller hält er sich an die These: Ein guter Autor kennt jeden Leser persönlich.

Etwa 40 Bücher, u.a.:
* Tagebuch eines Bibliothekars | Sechs Bände (2016-2019)
* BIP | Buch in Pension (2020)
* Nie wieder Tirol | Kampf-Roman (2018)Verniedlichte Höhe | * Das verflossene Jahr ist ein Gedicht mit abgehockten Nistplätzen (2020)

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