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Vorschläge für den Umgang mit Anti-Corona-Demos

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Wenn schon alles, was uns in einer Masse lustvoll aufgehen lässt, verboten ist, dann wenigstens Demo – umso enger, umso lieber! Das ist ein menschliches Grundrecht!

Wer Interviews mit Anti-Corona-Demonstranten verfolgt, hört etwa gleich viele Beweggründe wie es Teilnehmer gibt. Was jedoch nie ausgesprochen wird, ist die Sehnsucht nach dem Gemeinschaftsgefühl, das so eine Demo vermittelt.

Wir sind Herdentiere, und nachdem alle größeren Versammlungen, die bisher dazu dienten, uns als Schaf unter Schafen wohlzufühlen, verboten wurden, bleibt ja nichts anderes übrig als zu demonstrieren. Kein Wunder, dass so viele mitmarschieren: verhinderte Kirchgänger ebenso wie Zeltfest-Schunkler, Großfamilien-Affine und Einzelgänger, Opern-, Hardrock- oder Schizirkus-Besucher wie FPÖ-Stammtischler. Dazwischen noch Impfungsverängstigte und beruflichen Abstieg Fürchtende und ein paar, die einfach ihre ungerichteten Aggressionen anderswo nicht loswerden. Und schließlich ganz viele, die — jetzt endlich – Gelegenheit finden, ihre pubertäre Protestphase als Verquerdenker nachzuholen.

Ich hätte da einen Vorschlag: Wie wär´s wenn wir uns nicht nur in unser Lieblingsbeisl, die Schule oder in ein Konzert hineintesten könnten, sondern auch in jede Demo? Damit müssten doch alle kriegen, was sie brauchen: Die Demonstrierenden ein die Anonymität wahrendes Gemeinschafts-Hochgefühl und die Nicht-Teilnehmer die Sicherheit, nicht genau von den Gegnern der strengen Maßnahmen in den nächsten Lockdown getrieben zu werden. Polizei und Absperrungen stehen bei jedem Demonstrationsereignis ja eh immer genug herum. Also, je nach angemeldeter Teilnehmerzahl könnten die Polizisten einfach Selbst-Schnelltests an den Eingängen zum abgeriegelten Bereich durchführen lassen, und wer negativ testet, darf hinein. Der darf sich dann im Gedränge suhlen und maskenlos schreien, soviel das Herz begehrt! Und überdies wäre es die Gelegenheit zu einem statistisch hochrelevanten Massentest, denn die, welche hierherkommen, waren wahrscheinlich beim letzten Massenscreening nicht dabei.

Und noch ein weiterer guter Rat, falls der Innenminister einen haben wollte: Helmkameras für die Polizisten würden bei dieser Gelegenheit (wie auch bei anderen) nicht nur ein probates Gegengewicht gegen stets gezückte Bürgerhandys darstellen, sondern auch helfen jene auszuforschen, die sich bei einem positiven Ergebnis als Max Mustermann mit Fantasieadresse ausweisen. Das würde die spätere Polizeiarbeit erleichtern, denn gefilmt und nachgeforscht wird sowieso.  Und soviel Egalité müsste — bei allem Grundrechtsbedürfnis — sein zwischen Polizei und bravem wie aufmüpfigem Bürger.

In diesem Sinne: Alle Nasenbohrer auf zur nächsten Demo! Egal wofür oder wogegen!

Geboren 1954 in Lustenau. Studium der Anglistik und Germanistik in Innsbruck Innsbruck. Lebt in Sistrans. Inzwischen pensionierte Erwachsenenbildnerin, tätig in der Flüchtlingsbetreuung und im Gemeinderat Sistrans. Mitglied bei der Grazer Autorinnen und Autorenversammlung Tirol, der IG Autorinnen Autoren Tirol und beim Vorarlberger AutorInnenverband. Bisher 13 Buchveröffentlichungen.

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