(c) Helmuth Schönauer

Weltbananentag

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Offensichtlich sind durch die Pandi die Menschen flächendeckend geruchs- und geschmacksunempfindlich geworden. Diese heimtückische Auswirkung von Long-Covid wird zwar rundherum festgestellt, aber niemand weiß, wie man damit umgehen soll. 

Die erste Reaktion lautet wie immer: Psychotherapie auf Krankenschein. Also wenn jemand schon nichts riecht, dann soll er zumindest eine Behandlung kriegen dürfen.
Der kluge Psychologe würde bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, dass es ohnehin besser ist, wenn man in einem Land wie Tirol nichts riecht und schmeckt, weil die meisten der angebotenen Reize erbärmlich sind. 

Vor allem Nichtrauchern könnte der Psychologe erklären, dass jetzt alles gut ist, wenn man die Stinker nicht mehr riechen muss.

Unabhängig von den Sinnesverlusten kehren aber alte Unsitten wie selbstverständlich zurück. So wird immer noch in Lebensmittelgeschäften neben der Bio-Box für Gluten-Gestörte die Zigaretten-Box offeriert.
Egal, ob das Rauchkraut dabei über die Vollkorntheke geht, oder ob die Zigaretten über das Lebensmittelband an der Kassa ausgehändigt werden, dieser Mix von Schadstoffen und Gesundmitteln ist irritierend.
Wenigstens auf Apotheken sollte der Verschleiß der Rauchwaren beschränkt werden, damit die Kundschaft gleich den Beipackzettel unterschreiben kann, dass sie die Nebenwirkung in Kauf nimmt. Wie das eben bei anderen Medikamenten der Fall ist. 

Denn Rauchwaren sind doch Medikamente, nicht wahr?
Wie wäre es sonst erklärbar, dass die Kassiererin am Spar-Tresen Fürstenweg sofort meine Bananen links liegen lässt und mich abschasselt, als ein Jüngling ins Geschäft stürmt und unter der Maske heraus von sich stinkt: Zwei Schachteln! 

Dabei ist heute doch Weltnichtrauchertag! Was für ein kränkender Vorgang, dieses Zurücksetzen der Bananen!
Damit in Zukunft auch Menschen aus dem Konsum-Prekariat mit ihren Bananen gewürdigt und zumindest den Rauchern gleichgestellt werden, wird man wohl um die Einführung eines Weltbananentages nicht herumkommen.
Wo gibt es die entsprechende Petition dazu?
Viele bemängeln, dass sie während der Pandi keine Petitionen unterschrieben haben. Die Sache mit den Bananen wäre so eine leichte Übung, damit man sich wieder ans Unterschreiben gewöhnen könnte.

STICHPUNKT 21|40, geschrieben am 31.05. 2021

Geboren 1953. Ist seit Gerichtsverfahren 1987 gerichtlich anerkannter Schriftsteller, bis 2018 als Bibliothekar an der ULB Tirol. Als Konzept-Schriftsteller hält er sich an die These: Ein guter Autor kennt jeden Leser persönlich.

Etwa 40 Bücher, u.a.:
* Tagebuch eines Bibliothekars | Sechs Bände (2016-2019)
* BIP | Buch in Pension (2020)
* Nie wieder Tirol | Kampf-Roman (2018)Verniedlichte Höhe | * Das verflossene Jahr ist ein Gedicht mit abgehockten Nistplätzen (2020)

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