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Kinder impfen

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Man soll nicht immer gleich mit historischen Vergleichen daherkommen, zumal man ja in jenen Zeiten, mit denen das jetzige und hiesige verglichen wird, gar nicht da war. Aber manchmal, mit Vorsicht, wenn es um einen Geruch, eine Tendenz, die Richtung geht, die eine Sache nimmt, ist es doch recht dienlich, historische Umstände zum Vergleich heranzuziehen.

So heute morgen, als auf den so genannten Push-Nachrichten die neueste Titelgeschichte aus der klügsten, besten, politisch korrektesten hamburger Wochenzeitung auftauchte, die ungefähr besagte: „Kinder impfen? Das wäre unrecht!“ Mit dem Akzent, ganz besorgte Mitmenschen durch und durch, auf KINDER. Versuchen Sie es einmal, beliebige Sätze zu bilden, aber immer mit KINDER, und das KINDER immer so sozialarbeiterisch überbetont. „Was, Sie impfen KINDER? Haben Sie sich das auch gut überlegt?“ usw.

Im selben Moment schickt sich Österreich unter dem neuen Besen, der auf den schönen Namen Mückstein hört, ebenjene KINDER der bedeutendsten Humbug-Impfung des Jahrhunderts zu unterziehen. Hiezu siehe und

Was tut sich da also in der fortschrittlichen Abteilung? Tun wir nun die KINDER nun impfen oder nicht?

Was geschieht da politisch? Gehen die Coronisten nun aufeinander los? Hier könnte man den historischen Vergleich einschalten, nämlich mit jener Zeit der 1790er Jahre in Frankreich, als der König, die Königin, Mirabeau und alle übrigen Querdenker, Aluhutträger und Impfgegner endlich geköpft waren. Genau in diesem Moment begannen die Jakobiner, einander gegenseitig aufs Schafott zu schicken, auf daß die segensreiche Erfindung des Dr. Guillotin nicht an Unterbeschäftigung leide.

Die Frage, die hiezu bei uns am Mittagstisch aufgeworfen wurde: wie halten es denn eigentlich die österreichischen Grün-Wähler mit dieser, nämlich der KINDER-Impf-Frage? Früher galt es es selbstverständlich, „impfkritisch“ zu sein. Ist man jetzt, nach vollständiger Kehrtwendung, impftotalitär?

Hat der im Tiroler Landtag sitzende grüne Fachmann für „Arschlöcher“ (d.i. Impfgegner, möglicherweise auch Auto- insbesondere Dieselfahrer, evtl. Könige und Königinnen und sonstige zu Köpfende) schon etwas dazu gesagt?

Walter Klier, geb. 1955 in Innsbruck, lebt in Innsbruck und Rum. Schriftsteller und Maler.
Belletristik, Essays, Literaturkritik, Übersetzungen, Sachbücher. Mitherausgeber der Zeitschrift "Gegenwart" (1989—1997, mit Stefanie Holzer). Kommentare für die Tiroler Tageszeitung 2002–2019.
Zahlreiche Buchveröffentlichungen, u.a.: Grüne Zeiten. Roman (1998/Taschenbuch 2014), Leutnant Pepi zieht in den Krieg. Das Tagebuch des Josef Prochaska. Roman, 2008. Taschenbuch 2014). Der längste Sommer. Eine Erinnerung. 2013.
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