Mit Kreativität gegen Strache

3 Minuten Lesedauer

von Denise Plattner


Die 28 besten Poetry Slammer der vergangen Saison pilgerten am Wochenende in das Mekka des österreichischen Poetry Slams, nach Innsbruck. Schon 2008 gastierte die Wortolympiade in der alpinen Geburtsstätte der Kleinkunst Literatur. In diesem Jahr lauschten 600 Besucher den Wortgeflechten der österreichischen Poeten.
In vier Vorrunden, die in der Bäckerei und dem Treibhaus stattfanden, kämpften jeweils 14 Poeten um die Gunst des Publikums und um den Einzug in das Finale. So kreativ und wortgewandt die Slammer Elite auch war, wurde in den Vorrunden vorwiegend die Flüchtlingssituation und FPÖ Anführer HC Strache in den Fokus der 5-minütigen Texte gesetzt. Vielfach und verständlicherweise lesen die antretenden Poetry Slammer ihre literarischen Schmuckstücke der vergangen Saison auf der Ö-Slam Bühne, besonders rühmlich erscheint daher der Text von Elias Hirschl (Ö-Slam Champ 2014) der in der Bäckereivorrunde die aktuelle Debatte über die Zusammensetzung der oberösterreichischen Landesregierung thematisierte.

Der Ö-Slam 2015 fand in Innsbruck statt.
Der Ö-Slam 2015 fand in Innsbruck statt.

Das Finale im Treibhaus war heiß. Sowohl die Körperwärme von 600 Personen im Treibhauskeller, als auch das fulminante Wortgewitter der verblieben zehn Poeten, sorgten für Schweißausbrüche. Die Redekunst der Verblieben war derart mächtig, dass sie nicht nur die Ohren umschmeichelten, sondern auch die Fußtaubheit auf Grund von 3,5 Stunden stehen, vergessen ließ. Da sich leider keiner der Tiroler Poeten für das Finale qualifiziert hatte, musste wohl ein Großteil des Publikums fremdgehen und sich neue Favoriten unter den übrig geblieben suchen. Mit Grollen, Applaus und lautgewordener Euphorie schickte das Tiroler Publikum, welches während der Ö-Slam Gala zur „besten Crowd“ gewählt wurde, Henrik Szanto, Elias Hirschl, MC Stoner und Lisa Eckhart in das finale Stechen um den Ö-Slam Lorbeerkranz.
Zuvor gab es noch ein „Schnick-Schnack-Schnuck“ um die Ehre einen letzten Text außer Konkurrenz der Wertung auf der Ö-Slam Bühne vorzulesen. Dieses Match bestritten Stefan Abermann und Markus Koschuh aus dem Organisationsteam, die augenscheinlich beide nicht dem anderen den Vortritt lassen wollten. Stefan Abermann begeisterte schlussendlich das Publikum und heizte die Stimmung vor dem finalen Stechen ordentlich an.
Zur Siegerin und Ö-Slam Queen wurde am Ende des Abends Lisa Eckhart gekrönt – berechtigterweise. Die Poetin hatte schon in der Vorrunde gezeigt, wie man ein Publikum an einen Stuhl fesseln kann, ohne dafür Seile zu benützen. Nach einem Aufritt von Lisa Eckhart würde man ihr gerne eine Ode schreiben, denn die Poetin schafft es im Gesamtpaket zu überzeugen. Ideenreich, wortgewandt, performancestark und mit einer unheimlichen Ausstrahlung ausgestattet ist Lisa Eckhart wahrlich die Ö-Slam Queen 2015.
Wer Lisa Eckhart am Wochenende verpasst hat, soll sich schämen, warten bis sie den Bäckerei Poetry Slam beehrt und folgenden Text, der sie auch zum Ö-Slam Champion kürte, genießen:

Artikelbild: (c) Rebecca Heinrich

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