Die Enttäuschung von der Weltumsegelung

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17,5 Mio. Einträge in 270 Sprachen hat Wikipedia, Stand Jänner 2011 (Quelle: Wikipedia – „wie charmant“). Man kann das Wissen des durchschnittlichen Weltenbürgers, mit Internetzugang wohlgemerkt, also ziemlich genau mit nur einer einzigen Zahl beschreiben, 17.500.000 – so lässt sich die Welt erklären. Sofern wir also in irgendeiner Form Zugang zum „weltweit-Web“ haben, was heutzutage in unseren Breiten ja quasi rund um die Uhr, fast schon neurotisch mobil möglich ist, ist unser Wissen schier unerschöpflich. Während man früher in manch gemütlicher Runde angeregt diskutierte, wie denn nun das eine Land zwischen dem Benin und Ghana heißen möge und ob Peru nun wirklich am Meer liegt, lassen sich solch anstrengende, zeitraubende Wissenslücken-füll-Gespräche heutzutage unglaublich effizient vermeiden, zwei Klicks und wir sind allwissend, quasi.

Bleibt also nur mehr die Frage nach der Qualität. Man stelle sich nur einmal vor, Kolumbus hätte mit nur zwei Klicks (Google: Last-Minute-Reiseschnäppchen Europa Indien) die perfekte Handelsroute zwischen Europa und Indien „ergoogelt“. Seine Sehnsucht nach dem Ungesehenen, seine Hoffnung auf eine neue Welt, seine Abenteuerlust wären wohl schneller erloschen, als irgendjemand „google“ tippen kann. Hätte man Kolumbus dann noch erzählt, dass egal an welchem Punkt der Erde er losfährt, er zwangsläufig an selbigem wieder an- oder zumindest vorbeikommen wird, wäre der Zauber wohl schnell verflogen -im Kreis fahren macht auf Dauer eben doch keinen Spaß. Deprimierend, wenn man alles weiß und merkt, dass die Erde eben doch nur rund und so gar nicht der Mittelpunkt des Universums ist. Schließlich ist doch nur die Sehnsucht nach dem Unentdeckten der Motor einer jeden großen Reise, die einem so manch unvergessliche Geschichte und treue Wegbegleiter beschert. Die Enttäuschung von der Weltumsegelung.

P.S.: An all jene, die den Text genau lesen und sich dabei etwas denken – ja, Grundlage für den Artikel war eine sorgfältige Internetrecherche. (Anm. der Redaktion)

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Heute mal Autor, mal Sportmanager. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier - "Diskursplatz für Selbstdenker" - aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

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