Biker Willkommen

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Illustration (c) Felix Kozubek und Stefanie Aigner.

Laut Duden ist ein Schild eine Tafel oder Platte mit einer Aufschrift oder ähnlichem. Laut Wikipedia ist ein Schild ein Zeichen und Informationsträger in Form einer Tafel, Platte, Plakette oder eines anderen Trägers. Für mich ist eine Welt ohne Schilder einfach nicht vorstellbar. Bestes Beispiel ist der Straßenverkehr. Gäbe es keine Schilder, würde man keine Autobahnen finden, steht ständig im Halteverbot und stoppt nicht dort, wo man stoppen sollte, sondern erst im gegnerischen Auto.
Aber auch außerhalb des Straßenverkehrs sind Schilder unerlässlich. Etwa am Flughafen Catania in Sizilien. Dort wurde mir erst kurz vor der Sicherheitskontrolle dank eines Schildes klar, dass ich gar keine Handgranaten mit ins Flugzeug nehmen darf. Ganz wunderbar finde ich auch Schilder, die eindeutige Indikatoren für den geistigen Zustand der Schildverursacher sind. An Wohnungstüren von besonders heiteren Mitmenschen prangern etwa Aufschriften wie: „Achtung, hier nur im Schrittempo denken!“ Andere wiederum sind weniger heiter und eher in der Kategorie Kontrollfreak angesiedelt: „Privatgrund. Betreten strengstens verboten!“ Doch gibt es auch Schilder, die mir Rätsel aufgeben. Sie vermitteln offenbar geheime Inhalte, die nur von gewissen Menschen verstanden werden.
Ein Schild, das sich vor Gastronomiebetrieben im gesamten deutschsprachigen Raum findet, ist dafür ein besonders gutes Beispiel. Es ist teilweise designt, manchmal auch nur eine handgeschriebene Tafel und enthält die Information: „Biker Willkommen“. Ich habe mir diverse Gedanken zu diesem Schild gemacht und komme einfach nicht dahinter, worum es geht. Während der Autofahrer, der Fußgänger, der Skateboardfahrer und irgendwie jeder einfach ein Lokal besucht, ist das bei Bikern offensichtlich anders. Mögliche Lösungen, die ich mir überlegt habe, wären: Sind Biker etwa besonders scheue Wesen, die ohne eine offensichtliche Einladung ein Lokal nie betreten würden? Sind die Wirte dieser Gaststätten selber Biker und möchten bevorzugt ihresgleichen am Tisch sitzen haben? Sind Biker so schnell, dass sie ein extra Schild brauchen, um die Gaststätte wahrnehmen zu können?
Oder sind im Erfahrungsschatz des durchschnittlichen Bikers diverse Lokalverweise enthalten und was könnten die Gründe dafür sein? Haben Biker von den lebensgefährlichen Überholmanövern etwa einen besonders aggressiven Schweißgeruch? Und wenn, wie riechen dann Bikerinnen? Ist es etwa ihr knarziger Lederanzug, der für Missstimmung sorgt? Ist es gar nur eine billige Maßnahme des Wirtes, um Sympathien aufzubauen und somit an die Kohle der laut knatternden Mitmenschen zu gelangen? Ich habe einfach keine Ahnung und fände es sehr lohnend, wenn mich hier endlich jemand aufklären könnte!


Boris Sebastian Schön hat noch kein Buch geschrieben, welches hier beworben werden könnte. Aber er geht mit offenen Augen und Ohren durch die Welt und ist immerhin Mitgründer des ALPENFEUILLETON. Die “Lohnt sich das”-Kolumnen sind seine ersten AFEU-Veröffentlichungen.

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