Innsbruck tanzt …

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(c) Vicki Burton, Fire Breather, flickr.com

Heute Abend wird es in Innsbruck endlich wieder so richtig laut. Nicht etwa, weil die Schützen ihr 3.000-jähriges Bestehen zelebrieren. Auch nicht, weil der Tiroler Traditionsverein am Tivoli eine Meisterschaft feiert. Ebenso nicht, weil eine Horde EU-Befürworter lautstark den Rücktritt von Theresa May fordert. Nein, dass es laut wird hat auch nichts mit den angekündigten Gewitterwolken zu tun, die abends durchs Herz der Alpen ziehen werden. In Innsbruck wird es laut, weil Innsbruck tanzt. Ja, richtig gehört. Innsbruck tanzt! Wir befinden uns im Jahre 2017 n.Chr. und ganz Innsbruck tanzt! Ganz Innsbruck? Nein! Nur die von unbeugsamen und geschäftstüchtigen Händlern besiedelte Innenstadt schwingt die Hüften und hört nicht auf, dem Innenstadt-Shopping-Sterben Widerstand zu leisten. Ist das gut? Irgendwie ja. Immerhin gibt es nichts gr(a)usligeres, als tote, von den Einkaufszentren ausgezuzelte und geleerte Innenstädte, wo die einst geschäftigen Prachtstraßen nach und nach verfallen oder durch seelenlose Souvenir-Ladelen ersetzt werden. Was aber so richtig nervt, ist der unehrliche Etikettenschwindel mit dem die an sich sinnvolle Aktion zu einer Farce verkommt. Ganz Innsbruck tanzt steht auf den Plakaten. Mit einer beswingten, gemeinsamen, kraftvollen Kulturveranstaltung hat das aber genau gar nichts zu tun. Die einzigen die hier tanzen sind die Geschäftsleute – vor Freude wenn die Kassen klingeln. Innsbruck ist also auch am 9. Juni 2017 keine lässigere, fröhlichere, von lateinamerikanischen Rhythmen beflügelte Stadt, sondern immer noch die geschäftige Kleinstadt, die gerne Weltstadt wäre und dafür alles und jeden verkaufen würde.  Sogar seine eigenen Bürger. Etikettenschwindel und Alibiaktionen, das gehört zu dieser Stadt, wie Inn und Brücke. Eindrucksvoll und lautstark sichtbar, heute Abend und am Sonntag, wenn wir Bürger über ein Bauprojekt abstimmen, das schon längst begonnen wurde. Ganz Innsbruck tanzt? Ja. Uns auf der Nase herum.
PS: Nennt die Shopping-Night wieder Shopping-Night und macht eine richtige Innsbruck tanzt Nacht, bei der auch Verkaufsmitarbeiter mitshaken können. Dann hab ich nichts mehr, worüber ich  mich aufregen könnte. Denn die ständige Vermischung von Konsum und Kultur nervt! Aber ich will nicht länger stören: Alles Walzer!

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

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