The power of being nice IV

oder warum das Reisen so wichtig ist.

5 Minuten Lesedauer
(c) Michael Baumgartner
AFEU Kolumnist (c) Michael Baumgartner

Ich habe ja eine Theorie. 99% der Menschen wollen einfach nur in Ruhe mit ihren Freunden und Familien ihr Leben leben. Arbeiten, feiern, genießen und Spaß haben. Einfach ein normales Leben führen. Mir wird das immer wieder bewusst, wenn wir auf Reisen sind.

Wir waren schon in diversen Ländern zu Gast. Von klassischen Urlaubsdestinationen wie Italien oder Spanien, über etwas ausgefallenere Ziele wie das mexikanische Hinterland, Skigebiete in China oder dem tiefsten Wald im Westen Kanadas, bis hin zu exotischen Inseln wie Bali oder Hawaii war alles dabei.

Was alle diese Destinationen gemeinsam haben, sind die Menschen die dort leben. Alle oder zumindest ein sehr großer Teil wollen genau das was ich oben beschreibe – ein Leben in Ruhe und Frieden mit ihren Liebsten. Seit Jahrzehnten wird uns aber über die Medien eingeredet, dass das nicht so ist und uns verschiedene Volksgruppen an den Kragen wollen, kaum sind wir in ihrem Land. Diese Vorurteile sind so eingebrannt und das bei jedem von uns, da nehme ich mich nicht aus.

Ein Beispiel. Ich war vor einigen Jahren in Costa Rica unterwegs und wir haben uns am Weg zum Flughafen verfahren. Jeder kennt den Abreisetag aus dem Urlaub. Der Stresslevel ist relativ hoch und man schafft es sowieso nie rechtzeitig zum Flughafen. An diesem Tag war es dann wirklich fast so weit. In der Pre-Smartphone Zeit versuchten wir uns mit einer Karte unseren Weg durch die Straßen von San Jose zu bahnen, was nicht so gut klappte. Die Nachbarschaften wurden immer bedrohlicher und das unbedingt zu meidende Coca Cola District schien immer näher zu kommen.

Als wir an einer Straßenecke angehalten haben, um nicht noch tiefer in unbekanntes Gebiet vorzudringen, klopfte es plötzlich an der Fensterscheibe. Wir machten diese einen Spalt auf und und versuchten auf Englisch mit dem Einheimischen zu kommunizieren. Das führte nicht zum gewünschten Erfolg und der Passant wollte einen Freund aus der Autowerkstatt holen der Englisch spricht.

Für uns wurde die Lage immer bedrohlicher, als sich plötzlich fünf Männer um unser Auto versammelten und auf Spanisch miteinander diskutierten. Wir überlegten uns schon diverse Fluchtszenen und spielten in unseren Köpfen Horrorszenarien durch, als uns einer der Männer deutete ihm mit dem Auto zu folgen. Wir fuhren also los und folgten dem Herren durch die halbe Stadt bis er an einer Ampel mit der Hand aus dem Auto auf ein Schild deutete, welches das allseits bekannte Flughafen Symbol trug. Er hupte noch zweimal, drehte um und wir waren in zwei Minuten am Flughafen.

Unsere gelernten Vorurteile gegenüber mittelamerikanischen Männern haben uns dazu gebracht, das Schlimmste zu vermuten. Passiert ist das Gegenteil. Uns wurde von einer sehr netten Gruppe Costa Ricanern geholfen unser Problem zu lösen. Hätten wir uns auf unsere Vorurteile verlassen und die Hilfe nicht angenommen, würden wir wohl heute noch in San Jose durch die Gegend gurken.

Es sind genau solche Momente auf Reisen welche einem immer wieder vor Augen führen, was ich eingangs beschrieben habe. Die Welt ist nicht schlecht, die Menschen sind nicht schlecht, sie wollen einfach nur ihr Leben leben. War es Glück, dass wir in Costa Rica nicht ausgeraubt wurden? Nein, denn nach meiner Theorie wäre es ein unglücklicher Treffer gewesen genau auf das 1% zu treffen, das uns etwas Böses will. Genau diese Person zu treffen wäre ein riesen Zufall. Deswegen spiele ich auch nicht Lotto.

Gerade in der aktuellen Situation ist es wichtig sich immer wieder vor Augen zu führen, dass ein Großteil der Menschen nur sein Leben leben will, deswegen hier auch noch ein kleiner Appell aus gegebenem Anlass.

Nicht jeder Russe ist für diesen Krieg. Wahrscheinlich sogar nur ein sehr kleiner Prozentsatz. Also bitte werfen wir nicht ein ganze Bevölkerung pauschal in einen Topf, nur weil eine Einzelperson anscheinend einen massiven Meltdown hat. Helfen wir wo wir können, damit wir bald wieder Frieden auf unserem Kontinent haben und die Gräben wieder geschlossen werden. Krieg und Gewalt waren und sind nie eine Lösung.

In diesem Sinne „be nice“ und bis zum nächsten Mal.

Ruheloser Serial Entrepreneur und Podcaster aus Innsbruck. Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Redet eigentlich lieber wie er schreibt, aber siehe Satz zu neuen Herausforderungen, weiter vorne. Hat sich seine kindliche Begeisterung für alles was Popkultur betrifft erhalten.

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