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Unter uns Verschwörern

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Das Ziel, das wir seuchenmäßig angeblich erreichen müssen, wird täglich oder wöchentlich anders hoch gehängt, jedenfalls immer irgendwohin, wo man es nicht erwartet hat und wo man es wieder nicht erreichen wird. Dieses Spiel droht allmählich langweilig zu werden und erfüllt einen mit dem Gefühl durchdringender Sinnlosigkeit. Wie will man sich all des Pseudo-Sinns, der tagein, tagaus auf einen niederprasselt, erwehren? So sitzen wir mehr oder weniger abgeschieden im trauten Heim, schauen in die Luft oder hinaus in den Wald und warten darauf, daß die Zeit vergeht oder der Winter aufhört oder sonst irgendetwas.

Aus der Welt draußen erreicht uns dann und wann eine Nachricht, die kurzfristig für Abwechslung sorgt, immerhin. So neulich, ausgerechnet, aus Innsbruck. Hier am Ort gibt es eine „internationale Forschergruppe“ um die Mikrobiologin Rossanna Segreto, die in einem Text in der Fachzeitschrift „BioEssays“ darauf hinweist, daß die Möglichkeit einer „Labormanipulation als Ursprung der Corona-Pandemie zu früh ausgeschlossen und zu wenig untersucht wurde“. Es gebe verschiedene deutliche Hinweise darauf. Eine sehr schöne Geschichte, was schon mit dem Namen der Forscherin anfängt.

Frau Segreto weist vorsorglich darauf hin, daß sie es tunlichst vermeiden möchte, bei allfälligen Verschwörungstheorien anzustreifen. Das wird ihr nichts nützen – zwar hat die Austria Presse-Agentur ein Interview mit ihr gemacht und der „Kurier“ einen Bericht daraus gestrickt, aber beim allmächtigen Rundfunk hat man offenbar schon beschlossen, darüber nichts zu sagen, um die Corona-Angelegenheit nicht weiter zu komplizieren. Auch sonst erachtet kein maßgebliches Medium dies als berichtenswert. Wer will sich schon gerne mit den Chinesen anlegen? Und außerdem: nachdem jeder Journalist, will er weiterhin in Arbeit und Brot bleiben, sich jetzt wie ein kleiner Regierungssprecher aufzuführen hat, wird man auch in Zweifelsfällen besser den Mund halten.

Nochmals bei Google nachschauen. Österreichweit hat „heute.at“ etwas gemacht und die Tiroler Tageszeitung schon einen Tag vorher, später etwas mit dem Namen „telepolis“ und eine andere Internet-Schöpfung namnes „omymag“; die Sache schlägt Wellen, ziemlich wenige Wellen eigentlich, ein bißchen quer durch die Welt, aber angesichts dessen, was es für eine beachtliche Neuigkeit darstellt oder darstellen könnte, erscheint das doch wieder ziemlich mager.

Der Psychiater Raphael Bonelli spricht auf seinem weithin beliebten Blog ausführlich darüber, unter anderem davon, daß er von den Vermutungen über eine „Chinese Connection“ schon länger weiß, aber im Grunde nicht bereit war, sich das genauer zu überlegen, weil auch er Verschwörungstheorien nicht leiden kann und die Geschichte eben so klingt: zu gut, um wahr zu sein. Bis er den Text von Frau Segreto las. Der ganze zeitliche Ablauf seit Dezember 2020 sei absolut frappierend. Interessierte mögen sich Herrn Bonelli auf YouTube (16.1.2021) zu Gemüte führen.

Und dazu heißt die Dame auch noch: Segreto. Das ist geradezu die personifizierte Verschwörungstheorie. Der Herr Bonelli betont in seinem Beitrag noch mehrfach, daß ihm Verschwörungstheorien grundsätzlich unsympathisch seien und er sich schon deshalb ein Jahr lang nicht mit dem wundersamen Auftauchen des Virus in Wuhan und der prompten weltweiten Reaktion darauf befassen wollte.

Interessant. An sich selber kann man feststellen, daß diese neue Nachricht tatsächlich eine Art Beruhigung in einem auslöst, weil die von Anfang an inkohärenten, geradezu wirren und panischen Reaktionen der meisten Regierenden dadurch auf einmal erklärbar werden, was immer diese Chefs da genau aus irgendwelchen geheimen Kanälen erfragt haben mögen. Sonst müßte man auch weiterhin glauben, daß an irgendeinem Tag Anfang März 2020 plötzlich so ziemlich alle, weltweit spontan und zugleich, deppert geworden sind.

Walter Klier, geb. 1955 in Innsbruck, lebt in Innsbruck und Rum. Schriftsteller und Maler.
Belletristik, Essays, Literaturkritik, Übersetzungen, Sachbücher. Mitherausgeber der Zeitschrift "Gegenwart" (1989—1997, mit Stefanie Holzer). Kommentare für die Tiroler Tageszeitung 2002–2019.
Zahlreiche Buchveröffentlichungen, u.a.: Grüne Zeiten. Roman (1998/Taschenbuch 2014), Leutnant Pepi zieht in den Krieg. Das Tagebuch des Josef Prochaska. Roman, 2008. Taschenbuch 2014). Der längste Sommer. Eine Erinnerung. 2013.
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1 Comment

  1. Mir kommt auch vor, dass da bis jetzt von den Medien vieles unter den Tisch gekehrt wurde und wird, was den Ursprung der Seuche betrifft. Jetzt hat diese schon ein Jahr lang die Welt im Griff und ein Ende ist immer noch nicht absehbar, und da fragt man sich schon, wer hat dafür letztlich die Verantwortung zu tragen? Darüber hört man sehr wenig, zumindest in den Mainstreammedien, und alles andere ist ja sowieso „Verschwörungstheorie“ und darf nicht ernstgenommen werden. Jetzt ist erst mal eine Delgation der WHO nach China aufgebrochen und kann, nach einer mehrwöchigen Quarantäne, ein wenig an den Stätten, wo das Virus scheinbar ausgebrochen ist, herumforschen, frei bewegen kann sie sich nicht, nicht in China. Das wird noch spannend werden wie sich diese Diktatur da aus der Affäre zieht.

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