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Höhere Klimawandel-Mathematik

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Das bisher, klimamäßig gesprochen, so brave Brüssel droht sich bei den Strenggläubigen unbeliebt zu machen. Es werde erwogen, Erdöl und Erdgas als „teilweise nachhaltige Technologie“ zu klassifizieren. Als nächstes kommt dann die Atomenergie dran, dann wird des Schreiens und Wehklagens kein Ende sein. Denn das, was man in meiner Jugend als „friedliche Nutzung der Atomenergie“ bezeichnete, wurde in Mitteleuropa dank der Anstrengungen eben dieser Jugend abgedreht und gilt seither als tabu.

Der Rest der Welt baut weiter frohgemut Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke nicht minder – so verbrauchte China letztes Jahr 53 % der in der Welt für E-Werke verwendeten Kohle, 9 % mehr als 2015, als es das Pariser Klima-Abkommen unterzeichnete. Auch in der Zukunft gedenkt China weiter Gas zu geben, mit Kohle- und Atomstrom und zum Drüberstreuen natürlich auch jeder Menge „nachhaltiger“ Technologien. Wenn man dabei ist, ganze Industriezweige aus Europa und den USA bei sich aufzunehmen, braucht man eben viel Strom. Für Indien gilt sinngemäß das gleiche.

Als „teilweise nachhaltig“ müßte man auch die bescheidenen Hütten einstufen, die von einigen der tapfersten Klima-Kämpfer unserer Tage in den letzten Jahren erworben wurden, davon gleich zwei vom Ex-Präsidenten-Ehepaar Obama (eins in Hawaii, eins auf der bei den sehr Reichen beliebten Insel Martha’s Vineyard in Massachusetts), eines von Ex-Vizepräsident und Filmemacher („An Inconvenient Truth“) Al Gore und Gattin in Montecito, Cal. Natürlich kaufen auch ganz gewöhnliche Millionäre teure Immobilien direkt am Meer, aber bei denen könnte man immerhin annehmen, daß sie nicht nur gewöhnliche Millionäre, sondern auch gewöhnliche „Klimaleugner“ sind.

Was denken sich aber die Obamas, die Gores und andere, die uns vor dem unmittelbaren Ende der Welt, wie wir sie kennen, warnen, welches bekanntlich mit dem Ansteigen der Meeresspiegel einhergehen soll, und das in Kürze und gleich recht kräftig? Würden sie an das glauben, was sie uns sagen und womit sie, jedenfalls im Fall von Al Gore, viel Geld und Renommé eingeheimst haben, dann müßten sie ihre prospektiven Alterssitze doch eher auf einen nennenswerten Hügel im Hinterland hinstellen. Also glauben sie das mit dem rasch steigenden Meeresspiegel selber nicht, oder stellen sie die Verbindung nicht her: Meeresspiegel steigt = meine bescheidene Hütte versinkt im Meer = Immobilie ist nichts mehr wert, weil nicht mehr da? Um erhellende Zuschriften wird wieder einmal gebeten.

Walter Klier, geb. 1955 in Innsbruck, lebt in Innsbruck und Rum. Schriftsteller und Maler.
Belletristik, Essays, Literaturkritik, Übersetzungen, Sachbücher. Mitherausgeber der Zeitschrift "Gegenwart" (1989—1997, mit Stefanie Holzer). Kommentare für die Tiroler Tageszeitung 2002–2019.
Zahlreiche Buchveröffentlichungen, u.a.: Grüne Zeiten. Roman (1998/Taschenbuch 2014), Leutnant Pepi zieht in den Krieg. Das Tagebuch des Josef Prochaska. Roman, 2008. Taschenbuch 2014). Der längste Sommer. Eine Erinnerung. 2013.
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