Du fragst mich, was Glaube ist #14

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Im Glauben bestehen, im Glauben widerstehen


Als Papst Franziskus zu Beginn des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit in einem Interview eingestand, er wäre ein Sünder, war die Verwunderung darüber recht groß, und als er im Zusammenhang mit den Verfehlungen innerhalb der Kirche verdeutlichte, Jesus liebe alle, selbst die Sünder[1], wuchs deswegen der Ärger (unter den Gerechten).
Aber was steht hinter alledem?
Denken wir an das Gleichnis vom verlorenen Schaf; darin fragt Jesus, wer, der hundert Schafe besitzt und eines davon verliert, ginge diesem nicht nach, um es wieder zu finden? Und „so wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die Buße nicht nötig haben“.[2]
Jedoch was heißt das, etwa, dass Gott die Sünder mehr liebt, als diejenigen, die sich an seine Gebote halten, die nicht stehlen, nicht lügen, nicht ehebrechen usw.? Nein, diese Leseart wäre falsch; denn Gott liebt zwar die Sünder, aber nicht um ihrer Verfehlungen wegen, sondern aufgrund ihres Suchens nach Gott, etwa im Geständnis: „Ja, ich bin ein Sünder!“
Der Glaube an die Barmherzigkeit Gottes gibt uns dazu den Mut; als Seine Kinder müssen wir uns nicht fürchten, von Ihm verstoßen zu werden, weil wir einen (oder mehrere) Fehler gemacht haben. Im Gegenteil, Er geht uns nach und weist uns den Weg zurück zu sich: „Wenn er es gefunden hat, so legt er es mit Freuden auf seine Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und Nachbarn zusammen und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.“
Als Papst Franziskus bekannte, er selbst wäre ein Sünder und bedürfe ebenfalls der Gnade Gottes, so gab er uns ein gutes Beispiel dafür, was im Psalm 130 folgendermaßen ausgedrückt wird: „Würdest du, Herr, unsere Sünden beachten, Herr, wer könnte bestehen? Doch bei dir ist Vergebung …“
Mit anderen Worten: Jeder Mensch sündigt, aber mit Gottes Hilfe und in der Treue zu Ihm, findet er zurück auf den geraden Weg, zur Vergebung der Sünden.
Martin Kolozs, 11. August 2016
Die fünfzehnte Folge erscheint zum Monatswechsel August/September 2016


[1] Vgl. Die Zeit, Nr. 30/2014, Zoff in Rom, Eugenio Scalfari
[2] Vgl. Lk 15,4-7

Titelbild (c) Ted Van Pelt, God 1, flickr.com

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